Felix, Herbert (1908–1973), Fabrikant

Felix Herbert, Fabrikant. Geb. Znaim, Mähren (Znojmo, CZ), 9. 7. 1908; gest. Torekov (S), 5. 5. 1973; mos. Enkel von Moritz Felix, Mitbegründer der Firma Löw & Felix in Znaim, die eingelegte Gurken und Sauerkraut herstellte, Sohn des Fabrikanten Friedrich Felix, Cousin von Bruno Kreisky; ab 1937 verehelicht mit Kerstin Felix, geb. Cruickshank, von der er sich 1945 trennte, ab 1952 mit Maj Felix, geb. Sandberg. – F., Absolvent der Hochschule für Welthandel in Wien (1929 Diplomkaufmann), war in dem von seinem Vater weitergeführten Familienunternehmen vor allem für den Export zuständig und bereiste neben anderen europäischen Ländern auch Schweden, wo er 1932 seine erste Frau kennenlernte. Aufgrund seiner zahlreichen Kontakte konnte er 1938 nach Schweden fliehen und fand 1939 eine Anstellung bei der Firma AB P. Håkansson in Eslöv, die einen Fachmann zur Verwertung von überschüssigem Weinessig suchte. Dort brachte er seine Znaimer Rezepte für Einlegegurken ein und entwickelte als neues Produkt die Gewürzgurke. Aufgrund des steigenden Absatzes konnte schon 1941 „FELlX“ als Marke eingeführt werden, 1942 war F. bereits als Manager bei Håkansson tätig. 1943 ging er nach Schottland, schloss sich als Offizier den tschechoslowakischen Exiltruppen an und nahm im Juni 1944 an der Landung der Alliierten in der Normandie teil. Nach dem Krieg kehrte er nach Eslöv zurück und forcierte dort insbesondere die Produktion von gehackten Bostongurken (kleingehackte Gewürzgurken aus Produktionsüberresten) sowie von Essiggurken. 1946 erhielt er die Fabrikshallen in Znojmo zurück, die er jedoch bald verkaufte. Seine Stellung in der Firma AB P. Håkansson war inzwischen so bedeutend geworden, dass sie, 1954 in AB Felix umbenannt, zum zweitgrößten Konservenunternehmen Schwedens mit rund 1.000 Mitarbeitern aufstieg. 1956 wurde erstmals Tomatenketchup produziert. 1958 erfolgte F.s Ernennung zum österreichischen Honorarkonsul in Malmö. Durch Kreisky veranlasst, gründete er 1959 im burgenländischen Mattersburg die Lebensmittelfabrik FELIX Austria GmbH, die, eine Tochtergesellschaft der schwedischen AB FELIX, bald zum Marktführer für Ketchup und Sugo wurde. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten verkaufte F. 1961 80 % seiner Anteile an der AB FELIX an die AB Svenska Sockerfabriks und gab 1964 seine Führungsposition auf, nachdem er auch die restlichen Anteile abgestoßen hatte. Im gleichen Jahr zog er nach Ascona in der Schweiz, 1965–69 fungierte er als Direktor bei der UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in Rom. 2006 wurde in Eslöv das Herbert-Felix-Institut gegründet, das sich u. a. mit dem Thema Zuwanderung und wirtschaftliche Integration beschäftigt.

L.: H. Zuckriegl, Die Znaimer Gurke, 1990, S. 47, 58, 101, 149f., 157; P. T. Ohlsson, Konservkungen. H. F., ett flyktingöde i 1900–talets Europa, 2006; E. Posch, Als Öst´reich noch bei Böhmen war, 2009, S. 189f.; A. Pittler, Das B. Kreisky Album, 2010, S. 8f.; W. Petritsch, B. Kreisky, 5. Aufl. 2011, s. Reg.; Website Herbert Felixinstitutet ( http://www.herbertfelixinstitutet.se/herbert-felix-och-ab-felix-i-artal, Zugriff 29. 1. 2013); Stiftung Bruno Kreisky Archiv, Wien.
(J. Mentschl)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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