Josephy, Gustav d. J. (1855-1918), Industrieller

Josephy Gustav d. J., Industrieller. * Bielitz (Bielsko, österr. Schlesien), 28. 4. 1855; † ebenda, 19. 12. 1918. Sohn des Vorigen. Trat 1879 nach Absolv. theoret. und prakt. techn. Stud. in Österr., Deutschland und Frankreich in die väterliche Fa. ein, die 1857–73 von seinem Onkel, 1873–79 von seinem Bruder, der bis 1885 noch in der Fa. verblieb, geleitet worden war. Wesentliche Umgestaltungen und Neubauten sowie eine entscheidende Ausweitung des Exportes begründeten den weiteren Aufschwung des Werkes. Großen Erfolg brachten der von der Fa. 1876 entwickelte Florteiler, die 1890 konstruierte Baumwollreinigungsmaschine, sowie die immer wieder verbesserten Selfaktoren. J., der 1897 in Verbindung mit der Fa. F. L. Smidth in Kopenhagen auch die Erzeugung von Maschinen für die Zementfabrikation und für die Hartmüllerei aufgenommen hatte, stellte im Ersten Weltkrieg Maschinen für die Produktion von Ersatzfaserstoffen her und lieferte sämtliche Maschinen für die vom türk. Kriegsmin. errichteten Militärtuchfabriken. In vorbildlicher Weise für seine Angestellten sorgend, gründete er 1890 eine Fabrikssterbekasse, 1892 eine Krankenkasse und begann 1901 mit dem Bau von Arbeiterwohnhäusern. J., seiner Verdienste um die Maschinen- und Textilindustrie wegen mehrfach ausgezeichnet, war u. a. Kommerzialrat, Landtagsabg. und Mitgl. des Zollbeirates der Permanenzkomm. für die Handelswerte. Die nach seinem Tod von F. Weinschenck und seinem Sohn Wolfgang J. (* Bielitz, 2. 2. 1888) übernommene Fa. wurde von letzterem 1947 in Linz neu errichtet (Österr. Textilmaschinenfabrik G. J.s Erben), 1956 aber aus gesundheitlichen Gründen liquidiert. Die Rechte der Fa. gingen an die Fa. Platt Brothers & Comp. Limited, Oldham, Lancashire (England) über.

L.: Ostschles. dt. Ztg. vom 16. 12. 1918; Großind. Österr., Bd. 3, S. 87ff. und Bd. 4, S. 8, 9; Bll. für Geschichte der Technik, H. 1, 1932, S. 56; Linz heute, 1950, S. 25; Meixner, S. 508; Mitt. W. Josephy, Wien.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 136
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