Luschin von Ebengreuth, Arnold (1841-1932), Rechtshistoriker und Numismatiker

Luschin von Ebengreuth Arnold, Rechtshistoriker und Numismatiker. * Lemberg, 26. 8. 1841; † Graz, 6. 12. 1932. Sohn des aus einer krain. Bauernfamilie stammenden Präs. des Landesgerichtes in Laibach Andreas L. v. E. (* Ebenthal b. Reifnitz, Ravni dol pri Ribnici, Unterkrain, 4. 10. 1807; † Wien, 31. 10. 1879), der 1873 nob. worden war; stud. ab 1860 (1866 Dr. jur.) an der Univ. Wien Jus bei Siegel, J. Unger, Pachmann und Stein, in der Münzkde. förderten ihn Forchheimer und J. Arneth (s. d.), als Gast des Inst. für österr. Geschichtsforschung vervollkommnete er bei v. Sickel und A. Jäger (s. d.) seine method. Ausbildung. 1864 trat er zunächst als Rechtspraktikant in den Gerichtsdient in Graz, arbeitete jedoch nebenbei in dem unter der Leitung von Zahn stehenden Münzkabinett am Joanneum. Im Frühjahr 1866 trat L. in den Dienst des Münz- und Antikenkabinettes, 1867 in den des Steiermärk. Landesarchivs über. Von Zahn auf die Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte gewiesen, wandte sich L. immer mehr der Erforschung der Österr. Reichs- und Rechtsgeschichte zu, um deren Grundlegung, Auf- und Ausbau er sich größte Verdienste erwarb. 1869 Priv. Doz. für Geschichte des dt. Rechtes in Österr. an der jurid. Fak. der Univ. Graz, 1873 ao. Prof. der Dt. Reichs- und Rechtsgeschichte, 1881—1912 o. Prof. der Dt. und Österr. Reichs- und Rechtsgeschichte an der Univ. Graz, der er trotz ehrender Berufungen an andere Hochschulen treu blieb. 1889/90 und 1898/99 Dekan, 1905/06 Rektor, 1882 korr., 1892 w. Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien, ab 1898 Mitgl. der Zentraldion. der Monumenta Germaniae Historica, Mitgl. der Akad. der Wiss. in Berlin und München und des R. Istituto Veneto di scienze, ab 1887 Präs. im Kuratorium des Joanneums (Graz), lebenslängliches Mitgl. des österr. Herrenhauses. Während in den ersten Jahren seiner Forschertätigkeit die Münzgeschichte dominierte, wandte sich L. dann zunächst den österr. Rechtsquellen des Mittelalters zu. In seiner grundlegenden „Geschichte des älteren Gerichtswesens in Österreich ob und unter der Enns“ wies er der österr. Rechtsgeschichte, für deren obligator. Einführung in den jurist. Unterricht er sich wiederholt und nachdrücklichst einsetzte, Ziele und Wege. Als 1893 die „Österr. Reichsgeschichte“ zum Pflichtfache erhoben wurde, widmete er dieser schon 1895/96 ein Lehrbuch, das er in der 2. Aufl. zu einem Handbuch ausgestaltete. L. wurde der eigentliche wiss. Schöpfer einer neuen akadem. Disziplin, der Österr. Reichsgeschichte, die 1935 in Österr. Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte umbenannt auch heute noch am Beginn des Jusstud. steht.

W.: Zur österr. Münzkde. des 13. und 14. Jh., in: AfÖG, Bd. 41, 1869; Österr. Münzwerte des 13. und 14. Jh., in: Numismat. Z., Bd. 1, 1869; Münzgeschichtliche Vorstud., in: AfÖG, Bd. 47, 1871; Die Entstehungszeit des Österr. Landesrechtes, 1872; Die steir. Landhandfesten, in: Beitrr. zur Kde. steiermärk. Geschichtsquellen, Jg. 9, 1872; Vorschläge und Erfordernisse für eine Geschichte der Preise in Österr., 1874; Stud. zur Geschichte des steir. Adels im 16. Jh., in: Mitt. des hist. Ver. für Stmk., H. 23, 1875; Die Wr. Pfennige, in: Numismat. Z., Bd. 6/7—9, 1876—77; Geschichte des älteren Gerichtswesens in Österr. ob und unter der Enns, 1879; Beitrr. zur Münzgeschichte der Stmk. im Mittelalter, in: Numismat. Z., Bd. 11, 1879; Österr. an den italien. Univ. zur Zeit der Reception des röm. Rechts, 3 Abt., in: Bll. des Ver. für Landeskde., von N. Ö., N. F., Jg. 14–19, 1880–85; Münzwesen in Österr. zur Zeit Kg. Rudolfs I. v. Habsburg, ebenda, N. F., Jg. 16, 1882 und in: Numismat. Z., Bd. 14, 1882; Die hist. Ver. Wiens, 1882; Die Wr. Pfennige zu Zeiten Kg. Ottokars, in: Numismat. Z., Bd. 16, 1884; Quellen zur Geschichte dt. Rechtshörer in Italien, in: Sbb. Wien, phil. hist. Kl., Bd. 113, 1886, Bd. 124, 1891, Bd. 127, 1892; Kleine Beitrr. zur österr. Münzkde. des 15. Jh., in: Numismat. Z., Bd. 21, 1889; Die Handelspolitik der österr. Herrscher im Mittelalter, in: Almanach Wien, 1893; Österr. Reichsgeschichte, 2 Tle., 1895–96, 2. Aufl.: Hdb. der österr. Reichsgeschichte, Tl. l, 1914; Handel, Verkehr und Münzwesen, in: Geschichte der Stadt Wien, Bd. 1–2/4, 1897–1905; Die Anfänge der Landstände, in: Hist. Z., Bd. 78, 1897; Materialien zur Geschichte des Behördenwesens und der Verwaltung in Stmk., Tl. l: Das Landschreiberamt in Stmk., in: Beitrr. zur Kde. Steiermärk. Geschichtsquellen, Jg. 29, 1898 und Veröff. der hist. Landes-Comm. für Stmk. 8, 1898; Grundriß der österr. Reichsgeschichte, 1899, 2. Aufl. 1918; Chronol. der Wr. Pfennige des 13. und 14. Jh., in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 140, 1899; Allg. Münzkde. und Geldgeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit, in: Hdb. der mittelalterlichen und neueren Geschichte, hrsg. von G. v. Below und F. Meinecke, Abt. 5, 1904, 2. Aufl. ebenda, Abt. 4, 1926; Die Münze als hist. Denkmal, sowie in ihrer Bedeutung im Rechts- und Wirtschaftsleben, in: Aus Natur und Geisteswelt, Bd. 91, 1906, 2. Aufl.: Grundriß der Münzkde., 1918; Der Denar der Lex Salica, in: Sbb. Wien, phil. hist. Kl., Bd. 163, 1909; Umrisse einer Münzgeschichte der altösterr. Lande vor 1500, in: Numismat. Z., N. F., Bd. 2, 1909; Zur Geschichte des Denars der Lex Salica, in: Hist. Aufsätze, K. Zeumer . . . dargebracht, 1910; Das Joanneum, dessen Gründung, Entwicklung und Ausbau zum steiermärk. Landesmus. (1811–1911), in: Das steiermärk. Landesmus. und seine Smlg., 1911; Wr. Münzwesen im Mittelalter, 1913; Das Münzwesen in Österr. ob und unter der Enns im ausgehenden Mittelalter, in: Jb. für Landeskde. von N. Ö., N. F., Jg. 13/14–15/16, 1915–17; Österr. Anfänge in der Adria, in: Almanach Wien, 1916; Beitrr. zur Münzkde. und Münzgeschichte Tirols im Mittelalter, 7 Tle., in: Numismat. Z., N. F., Bd. 11–13, 1918–20; Die Zerreißung der Stmk. Zwei Denkschriften, 1921; engl.: Styria cut into pieces. 2 Memorials, 1921. Häuser- und Gassenbuch der inneren Stadt Graz, in: F. Popelka, Geschichte der Stadt Graz, Bd. 1, 1928; Friesacher Pfennige, in: Numismat. Z., N. F., Bd. 15—17, 20, 1922–24, 1927; Goldgeschäfte Meinhards II., Gf. v. Tirol und seiner Söhne, in: Veröff. des Mus. Ferdinandeum in Innsbruck, H. 8, 1928; etc. Beitrr. für Österr. Staatswörterbuch, hrsg. von E. Mischler und J. Ulbrich, 2. Aufl., Bd. 2, 1906; Reallex. der german. Altertumskde., hrsg. von J. Hoops, 4 Bde., 1911–19.
L.: A.L.-E., Aus den Erinnerungen eines alten Numismatikers, in: Numismat. Z., N.F. Bd. 23, 1930, S. 117ff., Bd. 25, 1932, S. 1 ff.; Carniola, N. F., Bd. 2, 1911, S. 337f.; Z. des Hist. Ver. für die Stmk., Jg. 18, 1922, S. 1 ff. (mit Werksverzeichnis), Jg. 27, 1933, S. 1 ff.; Almanach Wien, 1933; Bll. für Münzfreunde, Jg. 68, 1933, S. 593ff.; Numismat. Z., N. F., Bd. 26, 1933, S. 7ff.; Carinthia I., Jg. 123, 1933, S. 171 f.: ZRG, germanist. Abt., Bd. 53, 1933, S. XXIX ff.; MIÖG, Bd. 48, 1934, S. 189 ff.; Neues Archiv, Bd. 50, 1935, S. 631; M. Doblinger-M. Rintelen, A.L.-E. zu seinem 80. Geburtstage, 1921 (mit Werksverzeichnis); Stud. zur Geschichte der Univ. Wien, Bd. 2, 1965, S. 91 f.; N. Österr. Biogr., Bd. 16, 1965; SBL 1; Santifaller, n. 29; A. Lhotsky, Geschichte des Inst., für österr. Geschichtsforschung 1854–1954, in: MIÖG, Erg. Bd. 17, 1954, s. Reg.; B. Koch, 100 Jahre österr. Numismat. Ges. 1870–1970, Festschrift, 1970; H. v. Srbik, Geist und Geschichte, Bd. 2, 1951, S. 115; G. Probszt, Quellenkde. der Münz- und Geldgeschichte der ehemaligen Österr.-ung. Monarchie, 1953 (mit Verzeichnis der numismat. und wirtschaftshist. Veröff.).
(N. Grass)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 373f.
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