Puluj, Johann (1845-1918), Physiker

Puluj Johann, Physiker. * Grzymałów (Hrimajliv, Galizien), 2. 2. 1845; † Prag, 31. 1. 1918. Sohn eines Grundbesitzers; stud. an der Univ. Wien 1865–69 Theol., 1869–72 Mathematik und Physik bei J. Petzval (s. d.), K. v. Littrow (s. d.) und V. v. Lang (s. d.). 1870/71 übers. er gem. mit P. A. Kulisch das Neue Testament ins Ukrain. 1872/73 trieb er physikal. Forschungen im Laboratorium bei Lang, 1874 Ass. für Physik und Mechanik an der Marineakad. in Fiume (Rijeka). 1875 arbeitete er bei Kundt am Physikal. Inst. an der Univ. Straßburg (Dr. phil. nat., 1877 in Wien nostrifiziert). Nach Wien zurückgekehrt, war P. 1876–84 als Ass. am physikal. Kabinett bei Lang tätig. 1877 Priv.-Doz. für Physik an der Univ. Wien. 1878 erfolgte die Prämiierung seines Apparates zur Bestimmung des mechan. Wärmeäquivalentes auf der Weltausst. in Paris, 1881 seiner Vakuumapparate auf der elektr. Ausst. in Paris. 1882 wurde P. techn. Leiter des Zweigbüros der Fa. Ganz & Co. (Budapest) in Wien, 1883 techn. Konsulent der Osterr. Waffenfabriksges. Steyr, für die er eine Glühlampenfabrik mit Produktion nach einem von ihm entwickelten Verfahren errichtete, wofür er mit der bronzenen Staatsmedaille der Elektr. Landes-, Ind.- und Forstausst. in Steyr ausgezeichnet wurde. 1884 o. Prof. der experimentellen Physik, 1902 o. Prof. der Elektrotechnik an der Dt. Techn. Hochschule in Prag, 1910 HR, 1916 i. R. 1896 hatte er die Leitung des Umbaues des städt. Elektrizitätswerkes Marienbad (Mariánské Lázně), 1897 die Bauleitung des Elektrizitätswerkes Zwickau (Cvikov), ferner die techn. Beratung bei der Errichtung der Elektrizitätswerke in Prag, Meran und Franzensbad (Františkovy Lázně). 1913 Ehrenmitgl. des elektrotechn. Ver. in Wien. Ab 1914 war P. aktiv in der Fürsorge für ukrain. Flüchtlinge tätig. Als Forscher leistete P. bedeutende experimentelle Vorarbeiten für die Physik der Röntgen- und Elektronenstrahlen, als Techniker machte er sich um die Entwicklung der elektr. Glühlampe verdient.

W.: Strahlende Elektroden-Materie und der sog. vierte Aggregatzustand, 1883, engl. in: Physical Memoirs 1/2, 1889; Ukraina und ihre internationale polit. Bedeutung, 1915; zahlreiche Abhh., u. a. in Sbb. Wien und Elektrotechn. Z.; etc. Hrsg. und Übers.: Neues Testament in ukrain. Sprache, gem. mit P. A. Kulisch, 1887; Vollständige Bibel in ukrain. Sprache, 1903.
L.: Oberösterr. Nachrichten vom 25. 1. 1958 (Wochenendbeilage); Elektrotechn. Z. 39, 1918, S. 91; Prof. Dr. J. P . . . ., in: Elektrotechnik und Maschinenbau 36, 1918, S. 184; Otto 20; Poggendorff 3–4; Die k. k. Dt. Techn. Hochschule Prag 1806–1906, red. von F. Stark, W. Gintl und A. Grünwald, 1906, S. 380 f.; R. Cehelskyi, Dr. J. P. . . ., 1928; UA Wien.
(J. Braunbeck)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 39, 1982), S. 333
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