Sklenářová-Malá, Otýlie; geb. Maly; verehel. Sklenář; Bühnennamen Svobodová, Malá (1843-1912), Schauspielerin

Sklenářová-Malá Otýlie, geb. Maly, Bühnennamen Svobodová, Malá, Schauspielerin. Geb. Wien, 18. 6. 1843; gest. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 23. 2. 1912; röm.-kath. – Tochter eines feldärztl. Gehilfen. Die erste Erwähnung ihrer Bühnentätigkeit bezieht sich auf das Jahr 1862, als sie in einer Auff. tschech. Dilettanten am Wr. Theater in der Josefstadt die Milada in Ernst Raupachs „Der Zeitgeist“ spielte. Nach der Übersiedlung der Familie nach Prag (1863) nahm sie Gesangsunterricht bei Pivoda (s. d.), entschloß sich aber für das Schauspiel. Sie debüt. im Mai 1863 am tschech. Interimstheater in der Titelrolle von Schillers „Die Jungfrau von Orleans“ und setzte ihre Karriere am 1881 neu eröffneten tschech. Nationaltheater fort. 1866 gastierte sie in Wien, lehnte aber ein Angebot Laubes (s. d.) ans Hofburgtheater ab. 1897 heiratete sie den Sekr. des Interimsbzw. Nationaltheaters Josef Sklenář. S. hatte großen Anteil an der Entwicklung des tschech.sprachigen Theaters, durch sie setzte sich die realist., unmanierierte, von übertriebenem Pathos befreite Auffassung der Rolle durch. Sie war v. a. für die trag. Heldinnen des klass. Repertoires (Shakespeare, Lessing, Goethe, Schiller) prädestiniert, aber auch eine glaubhafte Darstellerin u. a. in den Stücken von V. Sardou und A. Dumas d. J. 1890 war sie die Küsterin im Drama „Její pastorkyňa“ von G. Preissová (s. d.), das Janáček (s. d.) als Vorlage für seine Oper „Jenůfa“ dienen sollte. S. war die erste Hippodamie im 3. Teil des Bühnenmelodrams von Fibich (s. d.) und Jaroslav Vrchlický, „Smrt Hippodamie“. Sie war auch pädagog. tätig (1872–73 an der Smetana-Opernschule, 1892–94 an der dramat. Schule des Nationaltheaters, später am Prager Konservatorium), zu ihren Schülern gehörten u. a. Ema Destinnová (s. Emy Destinn) und Pavel Ludikar. An der Propagierung des tschech.sprachigen Theaters nahm sie aktiven Anteil, indem sie oft bei patriot. Veranstaltungen auftrat; 1873 spendete sie die Einnahmen von 22 Gastspielen für den Bau des Prager Nationaltheaters.

W.: Z mých vzpomínek, 1912 (Erinnerungen).
L.: DČD 3, s. Reg. (mit Rollenbildern); Národní divadlo (mit Rollenverzeichnis); Otto; J. Bartoš, Prozatímní divadlo a jeho činohra, 1937, passim; J. Teichmann, Postavy českého divadla, 1941, passim; L. Novák, Stará garda Národního divadla, 2. Aufl. 1944, s. Reg.; J. Arbes, Z českého jeviště, 1964, passim; J. Vodák, Tváře českých herců, 1967, s. Reg.; Pfarramt St. Stephan, KA, beide Wien.
(V. Reittererová)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 323f.
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