Stepischnegg (Stepišnik), Jakob Maximilian (Jakob Ignacij Maksimilijan) (1815–1889), Fürstbischof

Stepischnegg (Stepišnik) Jakob Maximilian (Jakob Ignacij Maksimilijan), Fürstbischof. Geb. Cilli, Stmk. (Celje, Slowenien), 22. 7. 1815; gest. Marburg, Stmk. (Maribor, Slowenien), 28. 6. 1889; röm.-kath. Sohn eines Zimmermanns. S. besuchte das Gymn. in Cilli sowie das Lyzeum in Klagenfurt und Graz. Ab 1832 stud. er, dessen beide älteren Brüder ebenfalls Priester wurden, am Priesterseminar in Klagenfurt vier Jahre Theol., 1836–39 am Höheren Priesterbildungsinst. in Wien (Frintaneum); 1838 Priesterweihe; 1839 Dr. theol. an der Univ. Wien. Ab 1840 wirkte er als Sekr. des Domkapitels und als Hofkaplan in St. Andrä (im Lavanttal), ab 1847 als Domherr, ab 1861 als Domdechant des Bistums Lavant. Inzwischen auch u. a. zum Konsistorialrat (1844) befördert, lehrte er in St. Andrä (im Lavanttal) am Priesterseminar der Diözese Lavant als Prof. Kirchengeschichte, Kirchenrecht, Neues Testament und bibl. Hermeneutik. 1862 wurde er – als Nachfolger Slomšeks (s. d.) – vom Salzburger Fürsterzbischof Maximilian Josef v. Tarnóczy zum Bischof für das Suffraganbistum Lavant nominiert; 1863 Bestätigung durch den Papst. Mit der Ernennung von S., welcher mit seiner neutralen Haltung in der Nationalitätenfrage ein der liberal dt. Regierung genehmer Kandidat war, konnte der vom slowen. Klerus propagierte Gegenkandidat verhindert werden. S. war bestrebt, die Kirche aus den nationalen Streitigkeiten herauszuhalten. Er setzte die unter seinem Vorgänger begonnene Erneuerung des religiösen Lebens fort und holte diverse Orden, wie die Barmherzigen Schwestern (1875) und die Trappisten (1881), ins Land. 1864 ließen sich im Bistum Lavant die Schulschwestern nieder, welche die erste slowen. Grundschule und eine Lehrerinnenbildungsanstalt errichteten. 1877 wurde in Marburg ein Knabenseminar errichtet, das dem geistl. Nachwuchs Sloweniens diente und das im Testament von S., der sich auch sonst für die benachteiligte slowen. Priesterschaft einsetzte, mit dessen Erbe bedacht wurde. Auf seine Anordnung hin befaßten sich die Pastoralkonferenzen ab 1875 mit der sozialen Frage (Dolinar). Auf dem I. Vatikan. Konzil 1869/70 zählte er – wie etwa auch J. O. v. Rauscher und Friedrich Fürst zu Schwarzenberg (beide s. d.) – zu jenen Bischöfen, die gegen die Definition des Unfehlbarkeitsdogmas waren. Er reiste noch vor der Schlußabstimmung ab, veröff. die Dekrete des Konzils aber bereits Ende 1870. S. beteiligte sich an den Konferenzen des cisleithan. Episkopats in Wien, der sich in diversen Erklärungen an die Regierung gegen die Aushöhlung des österr. Konkordats von 1855 und die Maigesetzgebungen von 1868 und 1874 wandte. Als Bischof von Lavant war er ab 1863 Mitgl. des HH des österr. RR und Abg. zum steir. LT. Er war auch wiss. tätig, arbeitete an der „Laibacher theologischen Zeitschrift“ mit und veröff. mehrere Schriften.

W. (auch s. u. Gatz; SBL; Hozjan): Thomas Chrön, Fürstbischof von Laibach, 1856; Georg III. Stobaeus v. Palmburg. Fürstbischof von Lavant, in: Archiv für Kde. österr. Geschichtsquellen 15, 1856 (auch selbständig); Maximilian, 1878 (Schauspiel); Pius IX. und seine Zeit, 1879; Compendium des kath. Eherechtes, 1882; Das Karthäuser Closter Seiz, 1884; etc.
L.: ADB; Gatz (m. W.), Bischöfe (m. B.); SBL (m. W.); Wurzbach; R. Ritzler – P. Sefrin, Hierarchia catholica medii et recentioris aevi … 8, 1978, S. 335; M. Kronthaler, Kirchen- und gesellschaftspolit. Bestrebungen sowie pastorale Bemühungen der Österr. Bischofskonferenzen 1848–1918, Habil.schrift Graz, 2001; A. Hozjan, in: Das „Frintateum“ in Wien und seine Mitgl. …, ed. K. H. Frankl – P. G. Tropper (= Stud. zum Fritaneum 1), 2006, S. 128ff. (m. W.).
(M. Sohn-Kronthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 215
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