Almásy (Almásy de Zsadány et Törökszentmiklós, Almássy) Ladislaus Eduard (László Ede), genannt Abu Ramla, Pilot, Entdecker, Automobilpionier und Geheimagent. Geb. Burg Bernstein, Ungarn (Burgenland), 22. 8. 1895; gest. Salzburg (Salzburg), 22. 3. 1951. Sohn von Ilona Almásy de Zsadány et Törökszentmiklós, geb. Pittoni (geb. 1850), und dem Geografen, Ethnologen, Zoologen und Naturforscher DDr. Georg (György Ede) Almásy de Zsadány et Törökszentmiklós (geb. Schloss Oberlimbach, Ungarn / Grad Grad, Slowenien, 11. 8. 1867; gest. Graz, Steiermark, 23. 9. 1933), Bruder von János Almásy de Zsadány et Törökszentmiklós (1893–1968), der während des 1. Weltkriegs als Kavallerieoffizier diente. – Almásy besuchte das Gymnasium in Güns. Schon früh interessierte er sich für den Motorsport. Mit 14 Jahren baute er einen Segelflieger, mit dem er jedoch verunfallte. In der Folge ging er zu Sprachstudien nach England, 1911–14 lebte er in Eastbourne und begeisterte sich dort für das Pfadfinderwesen. 1912 erhielt er seine erste Pilotenlizenz. Im 1. Weltkrieg diente er zunächst als Einjährig-Freiwilliger im 11. Husarenregiment, 1915–18 fungierte er als Pilot und Fluglehrer bei der Österreichisch-Ungarischen Luftwaffe (zuletzt Oberleutnant), wobei er 1917 als Fluglehrer in Wiener Neustadt stationiert war. Nach dem Krieg arbeitete er als Privatsekretär des Bischofs János Mikes in Szombathely und floh vor der Ungarischen Räterepublik nach Österreich, wo er sich dem „Lager Feldbach“ anschloss. Als Kraftfahrreferent der Weißen Truppen war er an der Zerschlagung der Räterepublik beteiligt. Almásy unterstützte den ehemaligen Kaiser →Karl zweimal bei dessen Restaurationsversuchen in Ungarn und musste auf Grund dessen aus dem Militärdienst ausscheiden. 1921–22 studierte er am Eastbourne Technical Institute, danach war er Vertreter des Automobilunternehmens Steyr (mit Sitz in Graz) in Szombathely, für das er als Testfahrer fungierte und mehrere Autorennen gewann. 1926 machte er eine zweimonatige Expedition von Alexandria nach Karthum und weiter südlich an den Dinder sowie den Weißen Nil, wobei er in bis dahin unbekannte Wüstengebiete vordrang und ihm die erste Ein-Mann-Durchquerung der Nubischen Wüste gelang. Außerdem war er der erste Forscher, der mit einem serienmäßig erzeugten Auto den Nil entlang in den Sudan fuhr, um die Widerstandsfähigkeit des Steyr-Fahrzeugs zu demonstrieren, was letztlich für die österreichische Autoindustrie einen wichtigen Erfolg bedeutete. Almásy nutzte diese Reise auch für seine Jagdleidenschaft und brachte zahlreiche exotische Trophäen in die Heimat mit. 1929 machte er zusammen mit Ferdinand Prinz von und zu Liechtenstein und dem englischen Industriellen Anthony Brunner eine Expedition von Mombasa nach Kairo. Dabei gelangen Almásy erstmals die Überquerung des Sudd im Südsudan per Auto sowie die wissenschaftliche Wiederentdeckung der „Piste der 40 Tage“ (Darb el-Arbain). Die 12.000 km lange Expedition führten sie mit zwei Steyr-Autos durch. Der Kameramann und Filmregisseur Rudolph Maté, bekannt als Rudi Mayer, dokumentierte die Expedition im Film „Durch Afrika im Automobil“. 1930 musste Almásy aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Lage die Firma Steyr verlassen und wandte sich verstärkt der Segelfliegerei zu. 1931 stürzte er bei einem Versuch, von Ungarn nach Ägypten zu fliegen, mit seinem Copiloten Nándor Graf Zichy in einem Gewittersturm bei Aleppo ab; beide blieben unverletzt. 1932 unternahm er eine Expedition mit den britischen Offizieren Patrick Clayton, Hubert Penderel und Sir Robert Clayton-East auf das Gilf el-Kebir. Dorthin kehrte Almásy 1933 zurück, um die legendäre Oase Zarzura zu suchen, die in arabischen Schatzbüchern erwähnt wird und in einem Märchen von „Tausendundeiner Nacht“ als „Messingstadt“ aufscheint, allerdings vergeblich. Seine wichtigste Entdeckung dieser Expedition waren prähistorische Höhlenmalereien in der Region des Gabal Uwainat und des Gilf el-Kebir, darunter in der Höhle der Schwimmer. 1935 suchte er mit dem deutschen Diplomaten und Forschungsreisenden Hans-Joachim von der Esch die legendäre verschollene Armee des persischen Königs Kambyses II. Die Route mittels Ford-Automobilen verlief durch das Große Sandmeer von Abu Ballas nach Siwa. 1936 erhielt Almásy die Pilotenlizenz Nr. 1 des ägyptischen Pilotenklubs und gründete die erste Segelflugschule Ägyptens. Ab 1936 arbeitete er als Fluglehrer in Kairo, 1937 absolvierte er den ersten Segelflug über die Pyramiden. Da er 1939 keine Erlaubnis erhielt, in Ägypten zu bleiben, kehrte er nach Ungarn zurück. 1940–43 war er Reserveoffizier der ungarischen Luftwaffe und erhielt den Befehl, sich Erwin Rommels Deutschem Afrikakorps anzuschließen, in dem er 1941–42 als Wüstenexperte diente. 1942 nahm er an der Operation Salam teil, bei der er zwei deutsche Agenten über eine Distanz von 2.000 km von Libyen aus durch die Wüste hinter die britischen Linien nach Asyut führte. 1945 wurde Bernstein durch sowjetische Truppen eingenommen und Almásy wegen seiner Kollaboration mit den Deutschen festgenommen. Er wurde vor einem Volksgericht angeklagt, allerdings 1946 freigesprochen. 1947 hielt er sich in Wien auf, 1948 kehrte er mit Hilfe des britischen Geheimdiensts nach Ägypten zurück, wo er seine Forschungen fortsetzen wollte und als Fluglehrer arbeitete. 1951 wurde er noch zum Direktor des Instituts für Wüstenforschung in Kairo ernannt, starb jedoch kurz darauf bei einem Besuch in Salzburg. Almásy, der nach 1945 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, erkundete in seinem Leben tausende Quadratkilometer Wüste und betätigte sich dabei auch als Vermesser und Kartograf. Seine geografischen, meteorologischen, volkskundlichen und archäologischen Kenntnisse erwarb er autodidaktisch. In Anerkennung seiner Forschungen gaben ihm Beduinen den Namen „Abu Ramla“ (Vater des Sandes). Sprachlich begabt, beherrschte er Ungarisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Arabisch, wobei er in den vier erstgenannten Sprachen auch publizierte. Seine Werke wurden in jüngerer Zeit immer wieder neu aufgelegt. Zudem basiert der Film „Der englische Patient“ (1996) auf seiner Biografie, wobei sein Charakter in diesem Film rein fiktiv ist. Almásy war homosexuell und in seinem Nachlass im Londoner Kriegsarchiv sowie im Heinrich-Barth-Institut in Köln befinden sich intime Korrespondenzen u. a. an seinen Liebhaber, einen jungen Soldaten namens Hans, der 1943 in Nordafrika starb. Almásy war Mitglied im Eastbourne Flying Club.

) 