Ambroschitz Hans (Johann Rudolf), Journalist und Politiker. Geb. Wien, 27. 6. 1890; gest. Graz (Steiermark), 22. 10. 1952; röm.-kath., später altkath. Sohn des Lederhändlers Johann Ambroschitz (geb. Leoben, Steiermark, 26. 3. 1863; gest. Wien, 25. 3. 1926) und von Marie Ambroschitz, geb. Magerl (geb. St. Lorenzen, Steiermark, ca. 1864; gest. Wien, 23. 5. 1934); in 1. Ehe verheiratet mit Helga Ambroschitz (geb. 1. 5. 1908), in 2. Ehe mit Olga Ambroschitz. – Nach Absolvierung des Gymnasiums in Wien (1900–08) studierte Ambroschitz Rechtswissenschaften an der Universität Wien (1910–15). Daneben absolvierte er einen Abiturientenkurs an der Handelsakademie. Von Juni 1915 bis Kriegsende leistete er Militärdienst, zuletzt als titulierter Zugsführer beim Schützen-Regiment Nr. 1 in Wien und Brünn. Im November 1918 trat er in die Redaktion des alldeutschen Wochenblatts „Wiener Mittag“ ein. Im April des folgenden Jahres erfolgte sein Wechsel nach Marburg, wo er Chefredakteur der „Marburger Zeitung“ wurde. Nach der erzwungenen Abtretung der Untersteiermark an den jugoslawischen Staat ging die Zeitung, die davor häufig zensuriert worden war, im September 1919 in andere Hände über; Ambroschitz wurde ausgewiesen. Er übersiedelte danach nach Kärnten, wo er sich im Herbst 1920 im Kärntner Heimatdienst engagierte. Im Jänner 1921 übernahm er in Ödenburg die Leitung der „Ödenburger Zeitung“, die einen Kurswechsel vollzog: Soweit dies unter der ungarischen Zensur möglich war, unterstützte das Blatt den Anschluss Deutsch-Westungarns an Österreich, wobei Ambroschitz oft nur unter Pseudonym publizierte. Zur geplanten Übernahme der Druckerei der „Ödenburger Zeitung“ kam es nicht. Als sich ungarische Freischaren und Gendarmerie im August 1921 der Übernahme Deutsch-Westungarns durch die österreichische Gendarmerie widersetzten, wurde die Druckerei besetzt und Ambroschitz verhaftet; er konnte sich aber einer weiteren Verfolgung durch Flucht nach Wien entziehen. Nach dem Abkommen von Venedig 1921 begründete er Anfang November desselben Jahres, mit finanzieller Unterstützung der österreichischen Regierung, mit Viktor Miltschinsky, →Alfred Walheim und anderen lokalen Parteiführern wie →Ludwig Leser den „Ödenburger Heimatdienst“, der im Abstimmungsgebiet von Ödenburg eine umfangreiche Propaganda zur bevorstehenden Volksabstimmung startete. Ambroschitz übernahm die Redaktion der vom Heimatdienst gegründeten Wochenzeitung „Der freie Burgenländer“, dessen wichtigstes Propagandainstrument. Außerdem war er mit dem Verfassen von Flugschriften betraut. Nach Auflösung des Heimatdiensts im Jänner 1922 führte er die Zeitung in eigener Verantwortung weiter. Das vorbildlich redigierte Lokalblatt wurde zum Parteiorgan der Großdeutschen Volkspartei im Burgenland, bei der Ambroschitz ab Jänner 1921 mitwirkte und in der er bis 1927 eine führende Rolle einnahm. 1924–27 Organisationsleiter der Partei, konnte er deren steten Niedergang jedoch nicht aufhalten. Im Frühjahr 1927 legte er aus Protest gegen das Wahlübereinkommen mit der Christlichsozialen Partei („Einheitsliste“) seine Parteifunktion zurück. Seine Zeitung musste er im Dezember 1928 wegen finanzieller Schwierigkeiten an den Innsbrucker Bergland-Verlag abgeben, von dem sie im April 1930 der Landbund erwarb. Ambroschitz, bis dahin Chefredakteur, gründete die „Burgenlandwacht“, die im Oktober 1931 mit dem „Freien Burgenländer“ fusionierte. Danach übersiedelte er nach Wien, blieb dem Burgenland aber weiterhin verbunden. Sein Einsatz für das Burgenland in diesen Jahren wurde über die Parteigrenzen hinweg anerkannt, auch nach 1945. In Wien zunächst Redakteur der Parlamentskorrespondenz und Chefredakteur der Pressemitteilungen der Großdeutschen Volkspartei, leitete er ab Sommer 1932 den Landbund-Pressedienst. Seither stand er in engerer Verbindung mit Vizekanzler →Franz Winkler, der seit 1929 das Ziel verfolgte, ein eigenes Presseimperium zu errichten. Vom Frühsommer 1933 bis zum Ausscheiden des Landbunds aus der Regierung Dollfuß war Ambroschitz auch an den Beratungen des Kuratoriums für den Heimatdienst beteiligt, das der nationalsozialistischen Propagandaflut entgegenwirken sollte. Von August 1933 bis Jahresende leitete er das Sekretariat. Im Jänner 1934 übernahm er die Chefredaktion des „Süddeutschen Tagblatts“ (vormals „Grazer Tagblatt“), das aber aufgrund des Entzugs der Konzession seiner Druckerei Ende Juni 1934 eingestellt wurde. Im Zuge der Auflösung des Landbunds und seiner Presse schied Ambroschitz als Mitarbeiter aus. Von Juli 1934 bis September 1939 war er als politischer und Lokalredakteur der „Wiener Neuesten Nachrichten“ tätig. Im Frühjahr 1938 trat er in die NSDAP ein, blieb aber dennoch bis 1942 Mitarbeiter mehrerer Tages- und Wochenblätter ohne feste Anstellung. Mit Juli 1942 übernahm er als Stellvertreter des zur Wehrmacht eingerückten Hanns Amann die Leitung des „Kleinen Volksblatts“. In diesem veröffentlichte er im Jänner und Februar 1943 mehrere Artikel, in denen er den von Joseph Goebbels ausgerufenen „totalen Krieg“ unterstützte. Im April 1943 wechselte er zur „Kleinen Zeitung“ nach Graz, wo er bis Kriegsende als politischer Journalist tätig war. Im September 1946 erfolgte seine Verhaftung wegen des Vorwurfs der Kriegshetzerei, der später ausgedehnt wurde um jenen der Falschangaben im NS-Registrierungsverfahren. Anfang Februar 1947 gegen Gelöbnis enthaftet, folgte Anfang August 1948 eine Anklage wegen einer NSDAP-Mitgliedschaft vor 1938. Das Strafverfahren zu letzterem Anklagepunkt wurde Ende November 1948 eingestellt. Zuletzt war Ambroschitz als Wirtschaftsjournalist und Mitarbeiter der sozialistischen „Neuen Zeit“ tätig. Ambroschitz war Mitglied des Österreichisch-Deutschen Volksbunds sowie Mitbegründer der Vereinigung großdeutscher Journalisten, engagierte sich im Verein der Burgenländer in Graz und dem gleichnamigen Verein in Wien. 1932 erhielt er das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

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