Ammer Karl, Sprachwissenschaftler. Geb. Wien, 25. 10. 1911; gest. Halle/Saale, Deutsche Demokratische Republik (Halle (Saale), Deutschland), 16. 1. 1970. Sohn des Lagerarbeiters Karl Ammer (geb. 26. 8. 1890) und dessen Frau Barbara Ammer, geb. Mattes (geb. 1. 11. 1888); verheiratet mit Gertrud Bense, geb. Krutina (geb. 17. 5. 1913). – Ammer studierte nach dem Besuch des Realgymnasiums in Wien-Floridsdorf, das er 1930 mit der Matura abschloss, 1930–34 allgemeine und vergleichende Sprachwissenschaft, klassische Philologie und Indologie an der Universität Wien. Zu seinen Lehrern zählten Paul Kretschmer, →Nikolaj Sergeevič Fürst Trubetzkoy, Wilhelm Havers, →Karl Luick, Bernhard Geiger und Erich Frauwallner. In der Folge war er als Privatlehrer tätig, ab Juni 1938 als Bibliothekar und ab September 1940 als Assistent am Orientalischen Institut. Mit seiner Dissertation legte Ammer 1939 eine sprachliche Untersuchung zum Rigveda, dem ältesten Teil der Veden, vor („Die Vergleiche im Rigveda“). Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft wurde Ammer 1949 wieder als Assistent am Orientalischen Institut angestellt und legte 1950 seine Habilitationsschrift „Die sprachliche Stellung der Kafirensprachen“ vor, die sich der linguistischen Einordnung der Nuristani-Sprachen im Hindukusch widmet. 1951 übernahm Ammer kurzfristig die Vertretung von Frauwallner, der die Professur für indische und iranische Philologie am Orientalischen Institut innehatte. 1952−54 stand Ammer dem Institut für Dolmetschausbildung der Universität Wien vor, seit damals beschäftigte er sich neben seinen sprachwissenschaftlichen und indologischen Fragestellungen zudem ausführlich mit dem Übersetzen und Dolmetschen. Mit Oktober 1954 wurde Ammer als Professor an das Seminar für Allgemeine Sprachwissenschaft und Indologie der Universität Halle berufen und war damit zugleich Direktor des Instituts für Indologie. Auch in Halle konnte er seiner Liebe zum Übersetzen nachkommen, 1956−58 war er (Gründungs-)Direktor des Dolmetschinstituts der Universität Leipzig. An der Philosophischen Fakultät der Universität Halle übernahm Ammer 1959 die Funktion des Prodekans, 1961 erhielt er die Berufung zum o. Professor für Allgemeine Sprachwissenschaft. Diese Position hatte er bis zu seinem Tod inne. Die Lehrtätigkeit Ammers war vielseitig, so widmete er sich sowohl Themen aus dem Bereich der historisch-vergleichenden Untersuchung indogermanischer Sprachen (z. B. der Wurzelstruktur oder den Laryngalen), aber auch klassische Philologie sowie griechische Dialektologie, indische Sprach- und Kulturgeschichte und Baltistik waren Gegenstand seiner Lehre. Er war maßgeblich an der Entwicklung einer modernen Indologie, Baltistik und Tocharistik in der DDR beteiligt und schuf die Grundlagen für eine Einführung in die marxistische Sprachwissenschaft für alle Studierenden von Philologien der Universität Halle. Einer seiner bekanntesten Schüler war der Indologe Klaus Mylius, der sich 1968 bei Ammer habilitierte. Ammer war Mitglied des Beirats für Sprachwissenschaft beim Staatsekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen (später Ministerium für das Hoch- und Fachschulwesen der DDR) und Vorsitzender des Universitätsfriedensrats. Er war Gründer und Mitglied des Redaktionskollegiums der Zeitschrift „Fremdsprachen“ sowie an der Herausgabe der „Ethnographisch-archäologischen Zeitschrift“ und der „Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung“ beteiligt. Aufgrund seiner umfangreichen Kenntnisse wurde Ammer bei Diskussionen, in der Lehre und bei organisatorischen Belangen sehr geschätzt.

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