Amon, Rudolph Heinrich (1891–1964), Zoologe

Amon Rudolph Heinrich, Zoologe. Geb. Wien, 4. 1. 1891; gest. Graz (Steiermark), 15. 7. 1964; röm.-kath., ausgetreten 1938. Sohn von Amalia Maria Anna Amon, geb. Durand (geb. Meidling), und dem Gastwirt Franz Amon (geb. Hörersdorf, Niederösterreich, 16. 12. 1850); ab 1919 in 1. Ehe verheiratet mit Elisabeth Amon, geb. Leeder, erneute Eheschließung 1943. – Amon hatte 1912 erste Kontakte zu der gerade gegründeten Naturschutzkommission der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien. 1913 absolvierte er sein Einjährig-Freiwilligen-Jahr. Danach folgte der Militärdienst als Reserveoffizier im 1. Weltkrieg bis 1918. 1919 wurde Amon als Beamter an das Niederösterreichische Landesmuseum berufen, eine Stelle, die er bis 1945 inne hatte. Ende der 1920er-Jahre verwirklichte er dort im sogenannten Hirschensaal das erste österreichische Jagdmuseum. Als Amon 1919 zum Konservator für Naturschutz in Niederösterreich bestellt wurde, gründete er einen Jugendbund und eine Schülergemeinschaft für Naturschutz. Er beteiligte sich an der Organisation eines phänologischen Nachrichtendiensts und eines Berichterstattungsnetzes betreffend biologische und ökologische Vorgänge in Niederösterreich, aufgrund dessen er 1931 ein Kartenwerk über die Verbreitung der Wirbeltiere in Niederösterreich herausgeben konnte. 1924–30 studierte er Paläontologie, Zoologie und Botanik an der Universität Wien; im Universitätsarchiv Wien ist weder ein philosophisches Doktorat noch eine Lehramtsprüfung nachweisbar. 1939 noch kurzzeitig am Museum für Naturkunde in Berlin tätig, rückte er im selben Jahr als Reserveoffizier in den 2. Weltkrieg ein und wurde zum Major befördert. 1945 erfolgte seine Übersiedlung nach Graz, wo Amon als Naturschutzbeirat der steiermärkischen Landesregierung und des Österreichischen Alpenvereins tätig war. In der Folge wurden von ihm erfolgreich Anträge auf Einrichtungen von Naturschutzgebieten, Vogelfreistätten und Naturdenkmälern in der Steiermark eingebracht. Auf seine Initiative geht die Errichtung einer Forschungsstätte für Vögel an der Vogelschutzstation „Pater Blasius Hanf“ am Furtner Teich im steirischen Neumarkt zurück. Weiters arbeitete Amon bei internationalen Jagdausstellungen mit, 1937 in Berlin und 1954 in Düsseldorf. Bei der 25. Steirischen Jagdausstellung 1949 war er Mitglied des Trophäen-Preisgerichts. 1952 gründete Amon in Graz den österreichischen Arbeitskreis für Wildtierforschung und fungierte 1952–64 als dessen Generalsekretär und Geschäftsführer. Dieser Arbeitskreis machte es sich zur Aufgabe, die wissenschaftliche Biologie mit der Praxis der Jagdwirtschaft zusammenzubringen, wobei Amon selbst kein Jäger war. Amon veröffentlichte zahlreiche wissenschaftlich-systematische, volksbildnerische und naturschützerische Beiträge in verschiedenen Zeitschriften. Ebenso untersuchte er fossile Tierfährten und publizierte dazu. Darüber hinaus fungierte er als Mitherausgeber der „Zeitschrift für Jagdwissenschaft“ und war Mitarbeiter des „Steirischen Naturführers“. Ab 1927 war er Mitglied der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien, 1938–39 des jagdwissenschaftlichen Beirats der deutschen Jägerschaft, ab 1954 Delegierter Österreichs im Internationalen Ring der Jagdwissenschaftler, ab 1954 korrespondierendes Mitglied im internationalen Jagdrat (Conseil International de la Chasse), weiters Gründer der Landesgruppe Steiermark des Österreichischen Naturschutzbunds, Mitglied des St. Romedius-Ordens, Ordensprovinz Österreich, einer ideellen Vereinigung zum Schutz der Bären, sowie Naturschutzreferent des Österreichischen Alpenvereins. 1960 erhielt er das Ehrenzeichen des Österreichischen Naturschutzbunds.

Weitere W. (s. auch Wettstein): Der Lainzer Tiergarten einst und jetzt, 1923 (gemeinsam mit F. Trauth); Naturschutz und Erziehung, 1927; Unsere einheimischen Schlangen. Ein Beitrag zur Bekämpfung der Schlangenfurcht, in: Unsere Heimat NF 1, 1928; Säugetierfährten aus dem Rohrbacher Konglomerat, in: Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 83, 1933; Abstammung, Arten und Rassen der Wildschweine Eurasiens, in: Zeitschrift für Züchtung Reihe B, Tierzüchtung und Züchtungsbiologie einschließlich Tierernährung 40, 1938; Zur Ausrottungsgeschichte der großen Carnivoren in den Ostalpen und über Möglichkeiten ihres Wiederaufkommens, in: Zeitschrift für Jagdwissenschaft 2, 1956.
L.: O. Koller, Dr. Amon zum 70. Geburtstag, in: Zeitschrift für Jagdwissenschaft 6, 1960, S. 186f.; O. v. Wettstein, Rudolf Amon, in: Zeitschrift für Jagdwissenschaft 10, 1964, S. 185ff. (mit W.); H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae, 1971; J. G. Haditsch, Ein Besuch auf dem Evangelischen Friedhof Graz – St. Peter: Totengedenken an einige Bergleute und Erdwissenschaftler, in: Berichte der Geologischen Bundesanstalt 51, 2000, S. 95; F. F. Steininger u. a., Zur Entwicklung der Paläontologie in Wien bis 1945, in: Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt 72, 2018, S. 82; Pfarre Votivkirche, Wien.
(Verena Stagl)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)