Amreich Isidor (Alfred), Gynäkologe und Hochschullehrer. Geb. Gars am Kamp (Niederösterreich), 22. 4. 1885; gest. Wien, 8. 9. 1972; röm.-kath. Sohn von Josepha Amreich, geb. List (geb. Gars am Kamp, 20. 3. 1859), und dem Mediziner Isidor Amreich (geb. Semriach, Steiermark, 22. 1. 1853; gest. Gars am Kamp, 17. 8. 1892); ab 1924 verheiratet mit Augustine Amreich, geb. Drescher (geb. Berndorf, Niederösterreich, 27. 9. 1900). – Nach der Matura am Staatsgymnasium in Krems an der Donau nahm Amreich 1904 das Studium der Medizin an der Universität Wien auf und wurde dort 1910 promoviert. Anschließend war er als Assistent an der 2. Anatomischen Lehrkanzel unter →Ferdinand von Hochstetter, sodann an der 3. Geburtshilflichen Klinik unter →Ludwig Piskaček und schließlich an der 1. Universitäts-Frauenklinik unter →Friedrich Schauta tätig. Seine chirurgische Ausbildung erhielt er bei →Anton Freiherr von Eiselsberg an der 1. Chirurgischen Universitäts-Klinik. Im 1. Weltkrieg war Amreich als Arzt der 4. mobilen Chirurgengruppe Eiselsberg im Einsatz. Nach Kriegsende kehrte er an die 1. Universitäts-Frauenklinik zurück, wo er ab 1919 als Assistent und später als Oberarzt bei →Heinrich von Peham wirkte. 1923 habilitierte er sich zum Privatdozenten für Geburtshilfe und Gynäkologie. 1928 ließ er sich als Facharzt in Wien nieder, bevor er 1936 einem Ruf als ao. Professor und Vorstand der Universitäts-Frauenklinik in Innsbruck folgte. 1939 zum o. Professor ernannt, trat Amreich die Nachfolge des aufgrund seiner jüdischen Abstammung zwangspensionierten →Heinrich Kahr als Lehrstuhlinhaber und Leiter der 1. Universitäts-Frauenklinik in Wien an. Ab 1940 war seine Klinik zur Durchführung chirurgischer Sterilisationen nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ ermächtigt; zwischen Jänner 1941 und März 1942 wurden dort mehr als 60 Zwangssterilisationen vorgenommen. 1943 übernahm Amreich die Direktion der 2. Universitäts-Frauenklinik. Ferner wirkte er als Gutachter im Rahmen der Erbgesundheitsgerichtsbarkeit. Nach der Befreiung Österreichs wurde Amreich als belasteter Nationalsozialist (1934 Mitglied der NSDAP und der SA, 1938 Mitglied der SS, 1944 Anwärter für die Akademische Legion beim Höheren SS- und Polizeiführer Wien) gemäß dem Verbotsgesetz all seiner Funktionen an der Medizinischen Fakultät enthoben. Kurzfristig war er im britischen Anhaltelager Wolfsberg interniert. Ab 1948 durfte er aufgrund einer partiellen Befreiung von den Sühnefolgen als niedergelassener Gynäkologe in Gars am Kamp praktizieren sowie publizieren. Zu den Leistungen Amreichs, der aufgrund seiner anatomischen Ausbildung als herausragender Operateur galt, zählt v. a. die Weiterentwicklung der operativen Gynäkologie. Die von ihm auf Grundlage der Operationsmethode seines Lehrers Schauta erarbeitete vaginale Radikaloperation des Zervixkarzinoms trägt bis heute die Bezeichnung Schauta-Amreich. Nach ihm benannt ist außerdem die Amreich-Richter-Operation, eine vaginale Operationsmethode zur Scheidenstumpffixation nach Hysterektomie. Einen weiteren Schwerpunkt legte er auf die Strahlentherapie maligner Tumore. Die gemeinsam mit Peham verfasste, in mehrere Sprachen übersetzte „Gynäkologische Operationslehre“ (1930) gilt als Standardwerk seines Fachs. Ab 1921 war er Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, weiters Mitglied der Geburtshilflich-gynäkologischen Gesellschaft in Wien und der Deutschen gynäkologischen Gesellschaft sowie Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. 1916 erhielt er das Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille und 1917 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens mit der Kriegsdekoration. 1954 ernannte man ihn zum Ehrenbürger von Gars am Kamp, 1969 zum Ehrensenator der Universität Innsbruck (inzwischen als unangemessen eingestuft).

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