Amschler, (Johann) Wolfgang (1893–1957), Agronom

Amschler (Johann) Wolfgang, Agronom. Geb. Moggast, Deutsches Reich (Deutschland), 9. 2. 1893; gest. Wien, 7. 3. 1957; röm.-kath. Sohn des Lehrers Johann Amschler und der Elisabeth Amschler, geb. Arnold. – Amschler besuchte die Kreisoberrealschule in Bayreuth und wurde gleich nach dem Abitur 1914 zur bayerischen Armee eingezogen, wo er als Nachrichtenoffizier im 1. Jäger-Bataillon des bayerischen Alpenkorps (letzter Dienstgrad Oberleutnant; Auszeichnungen: Eisernes Kreuz I. und II. Klasse, Bayerischer Militärverdienstorden mit Schwertern) diente. Nach dem Krieg begann Amschler das Studium an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Technischen Hochschule München und wurde auf dem Gebiet der Pferdezucht promoviert (Dr. techn. 1922). In dieser Zeit trat er der Münchner CV-Verbindung Aenania bei. Er spezialisierte sich in der Folge auf die Tierzucht, schlug in diesem Fach eine wissenschaftliche Laufbahn ein, war Assistent an der Technischen Hochschule München und habilitierte sich dort 1928 für dieses Fach. Außerdem unternahm er mehrmalige Forschungsreisen nach Sibirien und erhielt 1930 den Professorentitel der Universität Omsk. 1933 ging Amschler als Gastforscher an das Wiener Naturhistorische Museum und wechselte als Privatdozent an die Hochschule für Bodenkultur in Wien. Nachdem er Berufungen nach Sapporo und Ankara abgelehnt hatte, wurde er 1934 zum ao. Professor für Tierzucht und Tierhaltung an der Hochschule für Bodenkultur in Wien ernannt und damit österreichischer Staatsbürger. Nach dem „Anschluss“ für kurze Zeit inhaftiert, wurde bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt, in deren Folge er in den Ruhestand (bei einem monatlichen Bezug) versetzt wurde. 1940–46 war er als Saatzüchter tätig. In dieser Zeit hatte er Kontakt zu den Widerstandskreisen um den Wiener Kaplan →Heinrich Maier, der noch kurz vor Kriegsende in Wien hingerichtet worden war. Nach dem Krieg unternahm Amschler 1946 im Auftrag der österreichischen Bundesregierung eine Reise in die USA und wurde im Sommersemester 1947 wieder in Dienst gestellt. 1947 zum o. Professor für Tierzucht, Fütterungslehre und Alpwirtschaft ernannt, beschäftigte er sich v. a. mit der Stammesgeschichte diverser Haustiere und deren Domestikation, der naturgemäßen Haltung derselben sowie der Verwendung von Antibiotika bei der Tierfütterung und der Frage der Umzüchtung von Rotem Höhenvieh.

W.: Über die interferometrische Methode zur frühzeitigen Festsetzung der Trächtigkeit bei Pferden, 1922; Vergleichende Haut- und Lederuntersuchungen, 1928; Die Akklimatisation des Graubraunen Gebirgsviehs in Zentralrußland, 1929; Die Milchwirtschaft Sibiriens, 1932; Tierreste der Ausgrabungen von dem Großen Königshügel, Shah Tepé, in Nord-Iran, 1939; Die Freilandhaltung der Haustiere, 1952.
L.: Die Bodenkultur 9, 1957, S. 249f.; Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45, 2, ed. H. Fritz u. a., 2020, S. 19f.; Biographisches Lexikon des Österreichischen Cartellverbands (online, mit Bild, Zugriff 3. 8. 2023); Pfarre Wichsenstein, Deutschland.
(Gerhard Hartmann)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)