An der Lan, Hannes (Hans Anton); bis 1919 Freiherr von An der Lan zu Hochbrunn (1909–1982), Zoologe

An der Lan Hannes (Hans Anton), bis 1919 Freiherr von An der Lan zu Hochbrunn, Zoologe. Geb. Rofreit, Tirol (Rovereto, Italien), 19. 12. 1909; gest. Innsbruck (Tirol), 29. 3. 1982; röm.-kath. Sohn von Helene Freifrau von An der Lan zu Hochbrunn, geb. von Buschman (geb. Weidling, Niederösterreich, 27. 6. 1881; gest. Innsbruck, 20. 10. 1952), und dem Juristen und Tiroler Landesoberschützenmeister Gotthard Eugenius Freiherr von An der Lan zu Hochbrunn (geb. Innsbruck, 17. 6. 1872; gest. Innsbruck, 16. 3. 1934); ab 1936 verheiratet mit Ilse Maria An der Lan, geb. Langsteiner (geb. Linz, Oberösterreich, 7. 1. 1910; gest. Innsbruck, 24. 5. 2003). – Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Innsbruck (Matura 1930) studierte An der Lan Zoologie, Meteorologie, Geologie und Paläontologie an der dortigen Universität und wurde im Juli 1934 bei Otto Steinböck und Carl Lehnhofer zum Dr. phil. promoviert. Seine Dissertation zu acoelen Turbellarien „Ergebnisse einer von E. Reisinger und O. Steinböck mit Hilfe des Rask-Ørsted Fonds durchgeführten zoologischen Reise in Grönland 1926. Acoela“ erschien später auch gedruckt (in: Videnskabelige Meddelelser fra Dansk naturhistorisk Forening i Kjøbenhavn 99, 1936). Ab 1935 als Assistent am Zoologischen Institut der Universität Innsbruck unter Steinböck tätig, diente er im 2. Weltkrieg 1939–44 u. a. als Chefmeteorologe des griechischen Raums (südliche Adria, Ionisches Meer und Ägäis) und wirkte nach dem Krieg als wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Berater bei Erzeugern von Pflanzenschutzmitteln in der Privatwirtschaft. 1955 zunächst wieder als Assistent an der Universität Innsbruck beschäftigt, habilitierte sich An der Lan hier im März mit „Zur rhabdocoelen Turbellarienfauna des Ochridasees (Balkan)“ (gedruckt bereits 1939 in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 148) für Zoologie mit besonderer Berücksichtigung der Schädlingsbekämpfung und wurde 1962 ao. Professor. 1973 zum Extraordinarius neuen Typs für Zoologie ernannt und mit der Leitung der für ihn eingerichteten umwelttoxikologischen Abteilung betraut, musste er Ende 1974 wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand treten, die Abteilung wurde ohne Nachfolger geschlossen. Ausgehend von seinem Dissertationsthema spezialisierte sich An der Lan auf die limnologische Erforschung v. a. reliktärer Lebensräume wie des Ohridsees auf dem Balkan oder Stillwasserbereiche im Unterlauf der Donau und im Donaudelta. Hier galt sein besonderes Interesse stets den Strudelwürmern (Turbellarien), deren terrestrische Vorkommen er ebenfalls untersuchte und denen er mehrere wichtige Arbeiten widmete. Exemplarisch seien das Kapitel „Turbellaria“ (in: Die Nordost-Alpen im Spiegel ihrer Landtierwelt 1, ed. Herbert Franz, 1954) und die Arbeiten „Zur Turbellarien-Fauna der Donau“ (in: Archiv für Hydrobiologie, Supplement 27, 1962) sowie „Zur Turbellarien-Fauna des hyporheischen Interstitials“ (ebd. 33, 1967) genannt. Einen weiteren Interessensschwerpunkt bildeten Pflanzenschutzmittel und Insektizide sowie ihre Ökotoxikologie. Hierzu betrieb An der Lan neben Forschung und Publikationstätigkeit auch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit eher populärwissenschaftlichen Schriften und Vorträgen, die wesentlich zur Sensibilisierung der Bevölkerung für Umweltschäden und Xenobiotika beitrug. Beispielhaft für diese Arbeitsrichtung seien „Schädlingsbekämpfungsmittel und ihre biologische Bedeutung“ (in: Mitteilungen der österreichischen Sanitätsverwaltung 64, 1963), „Warmblütertoxizität der Insektizide“ und „Fischtoxizität der Insektizide“ (in: Wolfdietrich Eichler, Handbuch der Insektizidkunde, 1965) sowie „Vergiften wir unsere Umwelt?“ (in: Bild der Wissenschaft 6, 1969) erwähnt. Auch nach dem Übertritt in den Ruhestand wissenschaftlich aktiv, publizierte An der Lan eher populärwissenschaftliche Aufsätze zu naturmedizinischen und ökotoxikologischen Fragestellungen, thematisierte die Gefahren der Kernenergie und warnte vor den Folgen des sauren Regens.

Weitere W.: s. Janetschek; Brem u. a.
L.: Innsbrucker Stadtnachrichten, 13. 5. 1982; H. Janetschek, In memoriam ao. Univ.-Prof. Dr. phil. Hannes An der Lan (1909–1982), in: Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins in Innsbruck 70, 1983, S. 297ff. (mit Bild und W.); Hannes von An der Lan. Ein Leben für Umwelt und Gesundheit, ed. G. R. Brem u. a., 1985 (mit Bild und W.); UA Innsbruck / Personalakt Hannes an der Lan; Mitteilung Hannes An der Lan, Peter Goller, beide Innsbruck, Tirol.
(Matthias Svojtka)  
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)