Anday Rosette, eigentlich Andauer Piroska, geschiedene Freifrau von Mayer-Ketschendorf, verheiratete Bünsdorf, Sängerin, Geb. Budapest (Ungarn), 22. 12. 1899; gest. Wien, 18. 9. 1977 (Ehrengrab: Zentralfriedhof); mos., ab ca. 1920 evang. AB. Tochter von Ella, geb. Holländer (geb. Budapest, 8. 8. 1877; gest. Budapest, 8. 9. 1942), und Lajos (Ludwig) Andauer (geb. Miskolc, Ungarn, 17. 7. 1870; gest. Budapest, 1. 4. 1900, Suizid), Stiefsohn von László (Ladislaus) Albert Maria Battha de Vatta (geb. Maria Theresiopel, Ungarn / Subotica, Serbien, 10. 5. 1877; gest. Budapest, 18. 2. 1942); 1932–33 mit Egon Ernst Martin Richard Hermann Freiherr von Mayer-Ketschendorf (geb. Ketschendorf, Deutsches Reich / Coburg, Deutschland, 22. 3. 1892; mos.), in 2. Ehe ab 1937 mit dem Rechtsanwalt Karl Bünsdorf (geb. Wien, 15. 1. 1898; gest. Baden, Niederösterreich, 15. 6. 1986, begraben: Wien) verheiratet. – Ab 1915/16 studierte Anday zunächst Violine bei Julius Mambriny und →Jenő Hubay an der Musikakademie Budapest, später Gesang bei Georg Anthes. Nach der Matura soll sie auch ein Philologie-Studium begonnen haben. Darüber hinaus nahm Anday privaten Gesangsunterricht bei →Marie Gutheil-Schoder, Madame Charles Cahier, Maria Brossement und Gino Tessari. Im Dezember 1919 trat sie in ihrer Heimatstadt erstmals als Sängerin an die Öffentlichkeit. Nach Studienabschluss wurde sie 1920 am Budapester Nationaltheater nach einem Gastauftritt als Dalila in Camille Saint-Saëns’ Oper „Samson et Dalila“ engagiert. Von hier holte sie →Franz Schalk direkt an die Wiener Staatsoper, wo sie mit September 1921 ohne übliches vorhergehendes Gastspiel einen Sechsjahresvertrag erhielt. In diesem Monat debütierte sie als Dritter Knabe in der „Zauberflöte“ und gab ihr Hauptrollendebüt als Carmen. Zu Andays umfangreichem Repertoire, das sie sich im Lauf der Jahre erwarb, zählten lyrische und dramatische Partien. In Pietro Mascagnis „Freund Fritz“ spielte sie im Jänner 1925 in der Rolle des Beppo auch das Violinsolo selbst. Ab 1922 hatte sie zahlreiche Auftritte bei den Salzburger Festspielen, später auch bei den Seefestspielen Mörbisch sowie an ausländischen Opernhäusern (u. a. Paris, London, Buenos Aires, Amsterdam, Mailand, München, Berlin, Prag). Darüber hinaus machte sie sich einen Namen als Oratorien- und Liedersängerin, trat u. a. regelmäßig mit den Wiener Philharmonikern und den Wiener Symphonikern auf und setzte sich besonders für das Werk →Gustav Mahlers ein. Man bescheinigte ihr eine „ganz spezielle Eignung für den Vortrag Mahlerscher Musik, für den sie Sensitivität und feine Nervenreaktion, Visionäres und ‚der Welt abhanden Gekommenes’ in einem Umfange mitbringt, wie vielleicht heute keine zweite Sängerin“ (Hamburger Fremdenblatt, 4. 11. 1930). 1923 sang sie Mahlers „Lied von der Erde“ zunächst in Wien und später bei den Erstaufführungen in Paris (1929 unter Oskar Fried) und London (1930 unter Bruno Walter). Ab 1924 nahm sie auch mehrere Schallplatten auf. Bei Andays erstem Auftritt auf Radio Wien im Jänner 1925 interpretierte sie u. a. Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“, wenig später sang sie im Rahmen eines Dr. Wilhelm-Kienzl-Abends mehrere von dessen Liedern. Gesangsstücke anderer zeitgenössischer Komponisten wie Hubay, →Richard Strauss, Hans Pfitzner und Erich Wolfgang Korngold, der auch als ihr Klavierbegleiter auftrat, hatte sie ebenfalls im Repertoire. Erfolgreiche Gastspiele bzw. Konzerttourneen führten sie u. a. nach Südamerika und Afrika. Im Winter 1930 unternahm Anday eine mehrwöchige gefeierte Tournee durch Deutschland, Belgien, Spanien und die Schweiz. Während einer dreimonatigen USA-Tournee heiratete sie 1932 in New York ihren ersten Mann. Im Sommer 1933 sprang sie kurzfristig – nach einer Rippenfellentzündung noch rekonvaleszent – bei den Salzburger Festspielen als Orpheus in Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Eurydike“ ein und erhielt dafür ein Dankschreiben von Bundeskanzler →Engelbert Dollfuß. Nach dem „Anschluss“ 1938 wehrte sie sich mit Hilfe ihres zweiten Ehemanns, der angeblich illegales Mitglied der NSDAP gewesen war, lange gegen die drohende Entlassung aufgrund ihrer jüdischen Abstammung; u. a. versicherte der zweite Ehemann ihrer Mutter, der Richter László Albert Maria Battha de Vatta, den diese im September 1938 geheiratet hatte, eidesstattlich, ihr biologischer Vater zu sein. Im Mai 1939 wirkte Anday noch bei einer Benefizveranstaltung des Roten Kreuzes mit und gastierte im Herbst dieses Jahres in München. Letztendlich kündigte sie die Staatsoper jedoch per 31. Jänner 1940. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs kehrte sie dorthin zurück (Pensionierung 1961). 1947 kreierte sie bei der Uraufführung von Gottfried von Einems Oper „Dantons Tod“ bei den Salzburger Festspielen die Frau des Simon. Nach Gastspielen an der Mailänder Scala 1948 und in den Niederlanden 1949 trat Anday nur noch an der Volksoper Wien auf. Sie lebte in Wien und in ihrer Villa in Pressbaum und engagierte sich im Verein Künstler helfen Künstlern. Die Kammersängerin (1932) wurde mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich (1933) ausgezeichnet, war Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper (1961) und erhielt die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold (1963). Nach ihr sind die Rosette-Anday-Straße in Pressbaum und der Andayweg in Wien-Penzing benannt. Eine CD, „Rosette Anday“, erschien 1995 (Preiser Records). Seit 2020 erinnert ein „Stolperstein“ in Salzburg vor dem Haus für Mozart an sie.

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