Anderle Franz (Franz de Paula), Radiotechniker und Offizier. Geb. Graz (Steiermark), 18. 3. 1874; gest. Lienz (Tirol), 29. 7. 1957 (begraben: Sillian, Tirol); röm.-kath. Sohn von Rosina Anderle und dem Ingenieur Franz Anderle; verheiratet mit der Geografin Dr. phil. Carla Anderle, geb. Klima (geb. Wien, 21. 3. 1879; gest. 5. 10. 1954, begraben: Sillian). – Nach der Volksschule in Graz besuchte Anderle die Realschule in Wien. Von dort wechselte er in der 6. Klasse in die Pionierkadettenschule in Hainburg. 1896 kam er als Kadett-Offiziersstellvertreter zum Eisenbahn- und Telegraphenregiment in Korneuburg, ein Jahr später wurde er zum Leutnant befördert. 1897/98 begann man, sich in Österreich-Ungarn mit drahtloser Telegrafie zu beschäftigen, und Anderle avancierte beim Heer zu einem der ersten Experten und Pioniere auf diesem Gebiet. Ab 1898 wirkte er als Lehrer beim Telegraphenkurs in Korneuburg. 1901 Oberleutnant, leitete er 1902–11 die Versuche mit Radiotelegrafie beim Eisenbahn- und Telegraphenregiment. 1911 zum Hauptmann ernannt, übernahm er im selben Jahr als Kommandant die Radioabteilung des Eisenbahn- und Telegraphenregiments (bis 1912). Um die Jahreswende 1912/13 als Leiter der Radiostation in Slavonski Brod tätig, fungierte Anderle ab Februar 1913 als Kommandant der Radiostation Wien-Laaer Berg (ab 1914 als Großradiostation bezeichnet). Im 1. Weltkrieg fand Anderle als Leiter des Radiodiensts der permanenten und provisorischen Radiostationen der Monarchie Verwendung. Beim Heeresgruppenkommando Tirol war er zudem für Spezial-Telefon- und Dolmetsch-Kurse für die gesamte bewaffnete Macht zuständig. 1917 Major, leitete er in diesem Jahr sowie 1918 den militärischen Abhorchdienst in Tirol. Ab November 1918 erfolgte unter seiner Ägide der Umbau der Radiostation Wien-Laaer Berg. Ab 1920, dem Jahr seiner Beförderung zum Oberstleutnant, war er für das Bundesministerium für Heereswesen tätig: Zunächst fungierte er als Leiter der Versuchsabteilung für das Verbindungswesen beim Verbindungszeugsdepot in St. Pölten, ab 1922 als Referent der Abteilung 10. 1923 schloss er ein Studium am Elektrotechnischen Institut der Technischen Hochschule Wien als Ingenieur ab, wurde Oberst und zum Heeresinspektor versetzt. Ab Juli dieses Jahres betraute man ihn mit den Agenden des Waffeninspektors der Verbindungstruppen. Diese Funktion hatte er bis 1931 inne, wobei er eine wichtige Rolle beim Aufbau des Heeresfunknetzes spielte. Darüber hinaus praktizierte er bei der Oesterreichischen Daimler-Motoren-Aktiengesellschaft (Wiener Neustadt), bei den Firmen Laurin & Klement (Jungbunzlau) sowie Siemens & Halske AG. 1931 bekam er bei der vorzeitigen und freiwilligen Verabschiedung aus dem aktiven Dienst des Bundesheers den Titel eines Generalmajors verliehen. 1911 erschien sein mehrfach aufgelegtes „Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie“, das als frühes Standardwerk galt. Ab 1924 brachte Anderle als Schriftleiter die Wochenschrift „Radiowelt“ heraus, die sowohl technisch als auch kulturell das führende Organ der Radiodiskussion der 1. Republik war. Außerdem setzte er sich für die Einrichtung eines Beirats in der Radioverkehrs-AG (RAVAG) ein, in dem neben Beamten auch Angehörige von Interessensgruppen vertreten waren. Er engagierte sich zudem für Radioamateure, die in den Sendepausen der RAVAG ausstrahlen wollten, und begann die „Rufzeichen“ AUX1 bis AUX12 (AU für Austria und X für experimental) zu vergeben. 1925 wurde auf seine Initiative hin der Österreichische Versuchssenderverband (ÖVSV) gegründet, ein überregionaler Verband der Funkamateure, dessen Ziel es war, ein Recht auf Veranstaltungen von Rundfunksendungen durchzusetzen, als dessen provisorischer Vorsitzender und ab 1926 Präsident Anderle fungierte. Die „Radiowelt“ war nun auch die Verbandszeitschrift des ÖVSV. Da aber offensichtlich wurde, dass das Erlangen von Radio-Konzessionen in absehbarer Zeit unrealistisch war, konzentrierte sich der ÖVSV auf die Vertretung von Funkamateuren. Darüber hinaus vertrat Anderle Österreich 1925 bei der Gründung der Internationalen Amateur Radio Union in Paris. 1931 veröffentlichte er „Radio-Kurzwellen und ihre Eigenschaften“, worin er sich mit technischen Grundlagen auseinandersetzte. 1935 verfasste er zudem den 3. Band der „Taschenbücher für den österreichischen Heimatschutz“ mit dem Titel „Radio- und Telegraphendienst für Wehrverbände und Jugendgruppen“. Weiters beschäftigte er sich mit Ursachen der Lautstärkeschwankungen. Trotz seiner einschlägigen Funktionen interessierte Anderle selbst sich wenig für Amateurfunk und besaß auch keine Lizenz. 1929 wurde er Ehrenmitglied des Deutschen Amateur-Sende- und Empfangsdiensts, 1932 Ehrenpräsident des ÖVSV. 1917 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens, 1930 das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich.

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