Andersen, Robin Christian (1890–1969), Maler

Andersen Robin Christian, Maler. Geb. Wien, 17. 7. 1890; gest. Wien, 23. 1. 1969; evang. AB. Sohn von Ida Franziska Camilla Andersen, geb. de Couvin (geb. Ödenburg / Ödenburg/Sopron, Ungarn, 1859; gest. Wien, 1918), und Christian Georgius Andersen (geb. Mammen, Dänemark, 1861; gest. Mönichkirchen, Niederösterreich, vor 1941), Bruder von Ida Wilhelmine Andersen (1886–1919), die 1913 die Frau →Anton Faistauers wurde; ab 1914 mit Johanna (Jenny) Bruha (geb. 24. 4. 1894) verheiratet. – Andersens Vater war aus Dänemark nach Wien gezogen, wo er eine Werkstätte für Dekorationsmalerei betrieb. Dort besuchte Andersen 1905–07 die Malschule von Robert Scheffer, an der er u. a. mit Faistauer, Gustav Schütt, Anton Peschka und →John Quincy Adams studierte. Im Herbst 1907 trat er zur Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste an, bestand sie jedoch nicht. Einer der damals gleichfalls erfolglosen Mitbewerber war →Adolf Hitler. 1907–08 besuchte Andersen die Malschule von Gustav Bauer in Wien. In den Sommermonaten der Jahre 1909 und 1910 hielt er sich zusammen mit Faistauer, mit dem er bis zu dessen Tod in engem Kontakt stand, und Schütt in der Gegend von Ascona am Lago Maggiore auf und unternahm gemeinsame Italienreisen. 1911 beteiligte er sich an der legendären „Sonderausstellung Malerei und Plastik“ der von →Egon Schiele gegründeten Neukunstgruppe in den Räumlichkeiten des Hagenbunds und wurde deren Mitglied. Aufgrund der dänischen Staatsangehörigkeit wurde Andersen während des 1. Weltkriegs nicht zum Militärdienst eingezogen. Mit seiner Frau wohnte er ab 1917 dauerhaft in Wien-Wieden. Im März 1918 nahm er an der 49. Secessionsausstellung teil, die Schiele organisiert hatte. Im Frühjahr 1918 war er Mitbegründer der gleichfalls von Schiele initiierten, kurzlebigen Künstlergruppe Neue Secession Wien und im September jenes Jahres auch des von Schiele angeregten Sonderbunds österreichischer Künstler, dessen Mitglied er bis 1932 blieb. Im Dezember 1918 gehörte er außerdem kurzzeitig dem von Johannes Itten mitbegründeten Bund der geistig Tätigen an. Im Auftrag des Kriegsministeriums errichtete Andersen 1919 eine nur kurze Zeit bestehende Zeichenschule für Soldaten in der Trainkaserne in Wien und unterhielt ab 1919 in einem Atelier in Wien-Margareten, Margaretengürtel 96, eine private Malschule. 1919–21 war er Sekretär und Geschäftsführer des Sonderbunds österreichischer Künstler. Im August 1919 nahm er an der ersten Ausstellung der Künstlergruppe Der Wassermann in Salzburg teil, trat 1920 dem Wiener Hagenbund bei und nahm an dessen 36. Ausstellung teil – seine einzige Ausstellungsbeteiligung in dieser Gruppe, spätestens 1923 verließ er den Hagenbund wieder. 1920 organisierte er eine umfangreiche Ausstellung des Sonderbunds im Kunstverein Winterthur in der Schweiz, die auch in Genf und Bern präsentiert wurde. 1922 entwarf Andersen eine große Tapisserie für die 1921 gegründete Wiener Gobelinmanufaktur, der weitere Entwürfe folgten. Auf Einladung von →Clemens Holzmeister führte er 1926 fünf sogenannte gemalte Gobelins für den neu gestalteten Saal des Salzburger Festspielhauses aus, weitere gemalte Gobelins lieferte →Anton Kolig. 1929 waren 16 Arbeiten Andersens in der „Kunstschau Ausstellung Wien 1929“ zu sehen, er war damit neben Faistauer der mit Abstand am prominentesten vertretene Künstler. 1931 lieferte er Entwürfe zu vier Glasfenstern für die Kirche Mariahilf in Bregenz-Vorkloster, basierend auf Skizzen von Faistauer, und überwachte auch die Ausführung durch die Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt. Nach der Selbstauflösung des Bunds österreichischer Künstler – Kunstschau 1932 wurde Andersen Mitglied der Wiener Secession (bis 1938, dann wieder 1945–69). 1932, 1934 und 1936 war er zur Teilnahme an den Kunstbiennalen von Venedig eingeladen. 1935 entstanden der über zehn Meter lange Wandfries „Jesus segnet die Kinder und die Kranken“ in der Eingangshalle des Kinderkrankenhauses der C.-M.-Frank-Stiftung in Lilienfeld sowie der Entwurf für ein großes Glasfenster im Treppenhaus der Tabakfabrik in Linz (ausgeführt vom Linzer Glaskünstler Josef Raukamp). 1945 mit der Leitung einer Meisterschule für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien beauftragt, fungierte Andersen dort 1946–48 als Rektor, 1948–51 als Prorektor und wurde 1965 emeritiert. Die Stadt Wien beauftragte ihn 1954 mit der Gestaltung des sieben Meter hohen, aus bemalten Kacheln gefertigten Wandbilds „Das Leben am Wasser“ für eine Wohnhausanlage in Wien-Ottakring (Wernhardtstraße 12–16), ausgeführt mit Unterstützung der Keramikkünstlerin Herta Bucher 1957. Neben Tapisserien, Glasfenstern und Wandbildern schuf Andersen ein reiches malerisches Werk. In den frühen, vor 1920 entstandenen Arbeiten sticht sein Interesse für die Kunst Cézannes hervor. In den Folgejahren zeigt sich eine gewisse Annäherung an die Neue Sachlichkeit. Schließlich entwickelte Andersen eine markante Synthese von malerisch-expressiven und neusachlichen Stilelementen, wobei seine bevorzugten Motive Stillleben und Landschaften waren. Die Familie besaß in Mönichkirchen im niederösterreichisch-steirischen Wechselgebiet ein Gartenhaus, in dem der Künstler zahlreiche Motive für seine Landschaftsbilder fand. In den späten Werken machen sich auch geometrische und abstrahierende Tendenzen bemerkbar. 1967 organisierte die Wiener Secession eine 121 Werke umfassende Retrospektive Andersens, die erste und einzige Einzelausstellung zu seinen Lebzeiten. Andersen erhielt 1925 die Goldene Ehrenmedaille des Wiener Künstlerhauses, 1933 den Ehrenpreis der Julius Reich Künstlerstiftung, 1938 den Professorentitel sowie 1953 den Preis der Stadt Wien für bildende Kunst. Werke von ihm befinden sich u. a. in der Österreichischen Galerie Belvedere, in der Albertina, im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste und im Leopold Museum in Wien.

Weitere W.: s. Smola. – Publikationen: Intensität, in: Horizont-Flugschriften Nr. 4, 1919; Die neuzeitliche Gobelinkunst in Österreich, in: Österreichische Kunst. Monatshefte für bildende Kunst 1, 1930, H. 4; Erkenntnisse, in: Österreichische Kunst. Monatshefte für bildende Kunst 1, 1930, H. 10.
L.: WZ, 16. 7. 1950, 29. 9. 1967; Die Presse, 28. 9. 1967; AKL; R. C. Andersen, Wien 1967 (Kat.); R. Schmidt, Österreichisches Künstlerlexikon, 1980; L. Engels, Aus dem Leben und Schaffen einer Malerin, 1987, S. 11ff.; F. Smola, Der Maler Robin Christian Andersen (1890–1969). Leben und Werk 1–2, phil. Diss. Wien, 2017 (mit W.); ABK, Wien; WStLA / Bundespolizeidirektion Wien, Historische Meldeunterlagen, Prominentensammlung; evang. Kirche A. B. Wien-Innere Stadt (Lutherische Stadtkirche).
(Franz Smola)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)