Andics-Karikas (Andics-Karikás) Margarethe, geb. Andics, bis 1919 von Andics, Psychologin. Geb. Budapest (Ungarn), 11. 12. 1900; gest. nach 1951; röm.-kath. Tochter von Elisabeth von Andics und eines Pächters staatlicher Güter; verheiratet mit Feodor Karikás, Ingenieur in Moskau. – Andics-Karikas besuchte zunächst die Volks- und Untermittelschule bei den Töchtern der göttlichen Liebe in Budapest, danach das Obergymnasium des Zisterzienserordens in Stuhlweißenburg. Nachdem sie am Gymnasium in Beregszász die Matura abgelegt hatte, studierte sie in Berlin zwei Semester lang als ao. Hörerin Philosophie, Psychologie und Logik. Ab 1921 war sie laut eigenen Angaben in einem Lebenslauf als o. Hörerin – mit Unterbrechungen aus familiären und materiellen Gründen – an der Philosophischen sowie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien inskribiert, vertiefte ihre Kenntnisse zudem in Zoologie und hörte Vorlesungen aus Geschichte und Geografie (nachweisbar nur 1931). Ab 1929 arbeitete sie am Psychologischen Institut der Universität Wien unter Karl und Charlotte Bühler, wo sie 1935 mit der Arbeit „Die sinngebenden Lebenswerte. Auf Grund von Gesprächen mit geretteten Selbstmördern“ zum Dr. phil. promoviert wurde. Andics-Karikas war drei Jahre lang Beraterin in der Lebensmüdenstelle der Ethischen Gemeinde unter der Leitung des Philosophen und Pädagogen Wilhelm Börner sowie →Karl Kautskys in Wien. Während des 2. Weltkriegs war sie vorübergehend in Kärnten gemeldet (1941) und im antifaschistischen Widerstand aktiv. 1942 wurde sie in Berlin wegen Landesverrats zum Tod verurteilt, außerdem verlor sie im Jänner 1943 ihren akademischen Grad. Nach ihrer „Begnadigung“ zu zwölf Jahren Zuchthaus erfolgte im Mai 1945 die Entlassung aus der Bayerischen Frauen-Haftanstalt Aichach. Danach war sie in Wien ansässig. Bekannt ist noch, dass sie 1951 von Paris aus eine Kopie ihres Doktordiploms beantragte. Im Februar jenes Jahres wurde ihr der Doktorgrad wieder zuerkannt bzw. die Aberkennung für „von Anfang an nichtig“ erklärt. Die weiteren Lebensumstände sowie ihr Todesdatum sind bisher unbekannt. Andics-Karikasʼ Dissertation stellt einen Ausschnitt ihrer umfangreichen Publikation „Über Sinn und Sinnlosigkeit des Lebens“ (1938) dar. Die Daten für diese sozialpsychologische Arbeit sammelte sie u. a. an der Klinik für Psychiatrie und Neurologie bei Otto Pötzl sowie an der angeschlossenen Beratungsstelle für Psychische Hygiene und an der Klinik Mattauschek (→Emil Mattauschek). Darüber hinaus konnte Andics-Karikas Daten der Eheberatungsstelle der Gemeinde Wien unter →Julius Tandler bearbeiten. Für ihre Studie befragte sie mehr als 100 Personen und wertete eine Statistik über Suizide und Suizidversuche in Wien aus. In ihre Arbeit flossen Motive und insbesondere reale Lebensumstände, aber auch geschlechtsspezifische Unterschiede ein. Andics-Karikas berief sich zudem auf die Individualpsychologie →Alfred Adlers. In ihrer Arbeit „Tollkühnheit und Prädestinationsvorstellung“ (in: Internationale Zeitschrift für Individualpsychologie 13, 1935) schrieb sie über die Genese des Konzepts Tollkühnheit, ein von Adler vorgestelltes Programm. Während ihrer Haft in Aichach verfasste sie Gedichte über ihre Festnahme, die Haftumstände und Befreiung, die allerdings unveröffentlicht blieben. 1931 wurde sie Mitglied des Vereins für Psychiatrie und Neurologie sowie des Vereins für angewandte Psychopathologie und Psychologie in Wien.

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