Andorfer, Eduard (1899–1973), Kunsthistoriker

Andorfer Eduard, Kunsthistoriker. Geb. Graz (Steiermark), 12. 8. 1899; gest. Graz, 22. 2. 1973; röm.-kath., 1939 Kirchenaustritt, 1945 wieder eingetreten. Sohn des Richters HR Dr. Eduard Andorfer (geb. 16. 10. 1854) und von Victoria Elisabeth Andorfer, geb. Lang (geb. 9. 11. 1874). – Andorfer besuchte ab 1909 das Realgymnasium in Graz und legte dort 1917 die Reifeprüfung ab. Nach Kriegsdienst an drei Fronten, zuletzt als Fähnrich, immatrikulierte er im Jänner 1919 an der Technischen Hochschule Graz, wo er zwei Semester lang Maschinenbau und von Herbst 1919 bis Sommer 1922 Architektur (Hochbau) studierte. Von April 1922 bis Oktober 1924 war er als o. Hörer an der Philosophischen Fakultät der Universität Graz inskribiert und studierte Kunstgeschichte und Archäologie. Im Dezember 1924 reichte er seine Dissertation „Veit Königer. Ein Bildhauer des 18. Jahrhunderts“ ein, die von →Hermann Egger und Wilhelm Suida begutachtet wurde. Andorfer bestand das Hauptrigorosum im Dezember 1924 und das Nebenrigorosum im Jänner 1925. Zudem absolvierte er 1931–35 ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften und promovierte im November 1939 zum Dr. iur. 1925–27 war Andorfer als Bibliothekar am Institut für Kunstgeschichte in Graz tätig, 1928/29 im Bundesdenkmalamt Wien und 1928 als Vertreter des Leiters →August Jaksch von Wartenhorst im Landesdenkmalamt in Kärnten. 1929–36 war Andorfer Mitarbeiter im Landesdenkmalamt Steiermark. 1937 trat er eine Assistentenstelle am Kunsthistorischen Institut der Universität Graz unter Egger an. Diese Tätigkeit wurde durch seine Einberufung zum Kriegsdienst 1942 beendet. Darüber hinaus wirkte er als Kunstkritiker und unterrichtete 1940/41 Kunstgeschichte an der Grazer Kunstgewerbeschule. 1945 übernahm er (bis zu seiner Pensionierung 1964) die Leitung des Anfang der 1950er-Jahre vom Land Steiermark aus der Verantwortung der Stadt Graz übernommenen, dem Joanneum eingegliederten und im Schloss Eggenberg untergebrachten Grazer Stadtmuseums. Andorfer begründete die umfangreiche Musik- und Theaterabteilung, veranlasste die Fertigung eines Modells der Grazer Altstadt um 1800 durch den Modellbildhauer Oskar Chmelik und veranstaltete bemerkenswerte Ausstellungen wie zum Beispiel eine Gobelinausstellung (1945/46), jene über →Alexander Girardi (1950), →Hugo Wolf (1954, 1960) oder über das Grazer Biedermeier und Nachbiedermeier (1958). Andorfers Forschungsschwerpunkte lagen auf der steirischen, speziell der Grazer Kunstgeschichte. Er veröffentlichte grundlegende wissenschaftliche Untersuchungen, wie die aus seiner Dissertation resultierende Monographie „Veit Königer und seine Werke“ (1925). Darüber hinaus beschäftigte er sich in zahlreichen Aufsätzen mit Kunstdenkmälern in Graz und der Steiermark sowie mit der Baugeschichte der Grazer Theater. Bedeutend war auch Andorfers Mitarbeit am Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler der Steiermark, dessen erweiterte Neuauflagen er gemeinsam mit Eberhard Hempel bearbeitete („Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Steiermark“, 1956). 1927–47 lieferte Andorfer zudem eine große Anzahl von Beiträgen über steirische Künstler für das „Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart“ von Ulrich Thieme und Felix Becker. Seine letzte, 1968 vollendete Arbeit stellt der Baualtersplan der Grazer Altstadt dar. Andorfer hat sich besonders durch die von ihm vorangetriebene Erforschung steirischer Kunst und steirischer Künstler sowie durch seine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Kunstdenkmälern der Stadt Graz verdient gemacht. Er war ab 1951 Mitglied der Historischen Landeskommission für Steiermark, leitete ab 1965 die steirische Zweigstelle der Österreichisch-Ungarischen Vereinigung zur Pflege kultureller Beziehungen und war zudem Vorstandsmitglied des Vereins für Heimatschutz. 1966 erhielt er den Professorentitel, im Folgejahr wurde er zum Bürger der Stadt Graz erhoben.

Weitere W.: Das Mariazeller Tympanonrelief, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark 23, 1927; Die Wandmalereien des 13. Jahrhunderts in Göß, in: Hermann Egger. Festschrift zum 60. Geburtstag, 1933; Zwei bemerkenswerte Skulpturen im Grazer Bürgerspital, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark 32, 1938; Das alte Opernhaus am Tummelplatz in Graz. Bau- und Besitzgeschichte, in: Festschrift Julius Franz Schütz, ed. B. Sutter, 1954; Zwei Entwürfe des Barockbildhauers Veit Königer, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark 46, 1955. – Nachlass: Grazmuseum, Graz, Steiermark.
L.: E. Gschwendt, Eduard Andorfer. 65 Jahre alt, in: Steirische Berichte 9, 1965, Nr. 2, S. 31f.; R. List, Kunst und Künstler in der Steiermark 1, 1967; W. Steinböck, In memoriam Eduard Andorfer, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 5/6, 1974, S. 221ff.; K. Woisetschläger, Eduard Andorfer †, in: XX. Bericht der Historischen Landeskommission für Steiermark über die 14. Geschäftsperiode (1972‒1976), ed. O. Pickl, 1977, S. 15f.; Th. Brückler – U. Nimeth, Personenlexikon zur Österreichischen Denkmalpflege, 2001; Pfarre Graz-Herz Jesu; UA Graz / KG Archivm. Sch. 13, H. Verzeichnis der Rigorosumsdaten.
(Dagmar Probst)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)