Andre, Hans (Johann Josef) (1902–1991), Bildhauer, Maler und Grafiker

Andre Hans (Johann Josef), Bildhauer, Maler und Grafiker. Geb. Innsbruck (Tirol), 21. 1. 1902; gest. Innsbruck, 15. 5. 1991; röm.-kath. Urenkel des Barockmalers Lorenz Cassian Andre (1733–1819), Sohn von Aloisia Andre, geb. Wegscheider, und Josef Andre, Steinmetz; ab 1937 mit Berta Andre, geb. Mader (1902–1997), Tochter des Besitzers der Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt, verheiratet. – Andre absolvierte ab 1918 eine Steinmetzausbildung in der väterlichen Werkstatt und trat in Kontakt zum Innsbrucker Maler Thomas Riss. 1919–22 besuchte er die Gewerbeschule in Innsbruck, wo ihn Hermann Stabinger und Viktor Hofer in der Holzbildhauerei und Heinrich Comploj in der Malerei unterrichteten. Nach Beendigung der Schule war er als Holzbildhauer tätig, arbeitete 1922–24 in der Werkstatt des Grafikers Alois Konrad Schwärzler in Kramsach mit und machte eine Ausbildung zum Grafiker. 1924–28 war er an der Kunstgewerbeschule in Wien Schüler des Bildhauers Eugen Steinhof und des Direktors →Alfred Roller, der im Sinne der Idee des Gesamtkunstwerks prägend für Andre wurde. Er beteiligte sich 1925/26 an der Wanderausstellung „Tiroler Künstler“ im Rheinland und schloss Bekanntschaft mit →Clemens Holzmeister, der ihn förderte und in zahlreiche Projekte einband. Nach Studienabschluss war er durch Vermittlung Schwärzlers in Zürich und St. Moritz tätig. 1934 erfolgte die Verleihung eines Staatsateliers im Wiener Prater an Andre, 1935 seine Berufung als Repräsentant der bildenden Künste in den Kunstbeirat der Stadt Wien. Er beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen (1933 Österreichischer Katholikentag, 1934 Biennale in Venedig, 1935 Weltausstellung in Brüssel, 1936 Internationale Presseausstellung in Rom, 1937 Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne in Paris) sowie künstlerischen Wettbewerben (1930 Lessingdenkmal, 1935 Denkmal der Arbeit, 1936 Kaiser-Franz-Josef-Denkmal, 1936 Dollfußdenkmal, 1939 Walter-von-der-Vogelweide-Denkmal, teils nicht realisiert). Nach dem „Anschluss“ 1938 wegen seiner Tätigkeit im „Ständestaat“ kurzfristig inhaftiert, wurde Andre Anfang 1942 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und der Flakersatzabteilung Ludwigsburg zugeteilt. Danach war er in Frankreich im Einsatz. Im Oktober 1943 wurde er vom Militärdienst freigestellt und kehrte nach Tirol zurück, wo er gemeinsam mit Wilhelm Nikolaus Prachensky gefährdete Kunstwerke dokumentierte und die Plastiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum in Öltemperazeichnungen erfasste. Von 1954 bis 1967 leitete er als ao. Professor eine der beiden Bildhauerklassen an der Akademie der bildenden Künste Wien, die nach seinem vorzeitigen Rückzug von Ioannis Avramidis übernommen wurde. Andres künstlerisches Werk umfasst bildhauerische Arbeiten in Holz, Stein und Bronze, darunter Tiroler Heilige, eine Madonna mit Kind und Reiterstandbild des Kirchenpatrons Jakobus an der Fassade des Doms zu St. Jakob in Innsbruck (1941–60) sowie Büsten der Erzbischöfe und Kardinäle →Anton Joseph Gruscha, →Franz Xaver Nagl, →Friedrich Gustav Piffl und Theodor Innitzer (1957) in der Gruft des Wiener Stephansdoms. Ferner schuf er Decken- und Wandfresken in der Servitenkirche (1946/47 bzw. 1953) und der Spitalskirche (1962) in Innsbruck, das Lünettenbild im Dom zu Innsbruck (1950), aber auch grafische Arbeiten wie den achtteiligen Zyklus mit szenischen Darstellungen aus dem Brixner Kreuzgang (1927), zahlreiche Exlibris und Weihnachtskarten. Hinzu kamen Entwürfe für Glasgemälde in den Pfarrkirchen Igls bei Innsbruck (1945) und Zirl (1946), der Kreuzkirche der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz (1947) und der Friedhofskapelle Innervillgraten (1949). Auf Entwürfe des Künstlers gehen auch ein Gobelin für das Schottenstift in Wien (1955), zahlreiche Glockenreliefs und Gedenkmedaillen zurück. Stilistisch war Andre zunächst einem gemäßigten Expressionismus verpflichtet und wandte sich dann der Neuen Sachlichkeit zu, während seine Fresken und architekturgebundenen Plastiken aus der Kriegszeit und den Nachkriegsjahren durch eine barockisierend-expressive Formensprache geprägt sind. In seinem Spätwerk lässt sich wiederum ein Streben nach Vereinfachung und Beschränkung auf das Wesentliche feststellen. Andre war ab 1925 Mitglied des Tiroler Künstlerbunds Waage und ab 1939 der Genossenschaft, dann Gesellschaft bildender Künstler Wiens – Künstlerhaus. Er wurde 1953 mit dem Professorentitel, 1960 mit dem Ehrenzeichen des Landes Tirol und 1985 mit dem päpstlichen Silvesterorden ausgezeichnet.

Weitere W. (s. auch Rampold, 2001): Gussbetonreliefs in der ehemaligen Kanzlergruft und Caritas divina, 1934 (Vorhalle der Christkönigskirche, Wien 15); Denkmal für die Gefallenen der Exekutive, 1935 (Wiener Zentralfriedhof); Madonna mit Kind, hl. Josef mit Christuskind, 1950 (Hochaltar der ehemaligen Benediktinerstiftskirche Fiecht); Epitaph für Fürstbischof Johannes Geisler, 1954 (Dom zu Brixen); Denkmäler des Feldmarschalls Erzherzog Eugen, 1957 (kleiner Hofgarten, Innsbruck) und des Schipioniers Hannes Schneider, 1959 (St. Anton am Arlberg); Wandfresken: Kreuzgang des Tiroler Volkskunstmuseums, 1934 und 1936, Pfarrkirche Sandleiten, 1936 (Wien 16); Deckenfresken: Pfarrkirche St. Anton am Arlberg, 1951/52, Stiftskirche Wilten in Innsbruck, 1952, ehemalige Spitalskirche in Innsbruck, 1962.
L.: AKL; Fuchs, 20. Jh.; O. Lutterotti, in: Die Feierstunde 3, 1946, S. 3ff.; E. Egg, Kunst in Tirol. Baukunst und Plastik, 2. Aufl. 1973, S. 398; J. Ringler, in: Der Schlern 47, 1973, S. 49ff.; S. Hirn, Vereinigungen und Gruppierungen der Tiroler Künstler im 20. Jahrhundert, phil. Diss. Innsbruck, 1980, passim; Kunst in Tirol, 20. Jahrhundert. Bestandskatalog der Sammlung des Institutes für Kunstgeschichte der Universität Innsbruck, ed. Ch. Bertsch, 1992, S. 30ff.; Th. Neunteufel, Krimkirche Wien, 1994, S. 13f.; C. Kraus, Zwischen den Zeiten. Malerei und Graphik in Tirol 1918–45, 1999, S. 25, 139, 245; R. Rampold, Hans Andre. Bildhauer und Maler, 2001 (mit W.); Tirols Künstler 1927, ed. E. Hastaba, 2002, S. 50f.; Heilige Gräber in Tirol, ed. R. Rampold, 2009, S. 88f., 124f., 311; ABK, Wien; Pfarre Innsbruck-St. Nikolaus, Tirol.
(Reinhard Rampold)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)