Andrysek, Franz Josef (1906–1981), Gewichtheber

Andrysek Franz Josef, Gewichtheber. Geb. Stammersdorf, Niederösterreich (Wien), 8. 2. 1906; gest. Wien, 9. 2. 1981; röm.-kath. Sohn von Magdalena Andrysek, geb. Artbauer (geb. Wien, 24. 2. 1883; gest. Hollabrunn, Niederösterreich, 19. 6. 1954), und dem Seilermeister Franz Andrysek (geb. Nedakonitz, Mähren / Nedakonice, Tschechien, 5. 9. 1875); 1931–33 (geschieden) verheiratet mit Anna Andrysek, geb. Sloboda (geb. Theben-Neudorf, Ungarn / Bratislava, Slowakei, 4. 7. 1908). – Bereits im Alter von 14 Jahren begann Andrysek seine Laufbahn als Gewichtheber durch regelmäßiges Training beim Firmensportverein von Felten & Guilleaume. 1922 trat er dem Athletenklub in Stammersdorf bei, wo er auch seinen ersten Preis, die Klubmeisterschaft, gewann. Es folgten Vereinszugehörigkeiten vom Lohnfuhrwerker Athleten-Klub Wien über den Arbeiter-Athletenklub, den Wiener Athletenklub Herkules, den KSK Karl-Swoboda Wien, den KSC Oswald Wien bis hin zum AK Teutoburger, der bis knapp vor dem 2. Weltkrieg das Geschehen des österreichischen Gewichthebersports bestimmte. 1924 sowie auch 1925 und 1926 wurde er österreichischer Juniorenmeister und belegte bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele 1924 den 3. Platz. Daraufhin konnte er im selben Jahr sein olympisches Debüt in Paris feiern. Da ihm dort im beidarmigen Stoßen des Fünfkampfs drei Fehlversuche unterliefen, blieb er jedoch unplatziert. 1926 erreichte er bei den Deutschen Kampfspielen in Köln den 3. Platz, 1926–28 war er jeweils Wiener Meister, 1930 sowie 1934 österreichischer Meister. Sein großer Durchbruch erfolgte bei der Olympiade 1928 in Amsterdam. Der aus den Übungen einarmiges Reißen, einarmiges Stoßen, beidarmiges Drücken, beidarmiges Reißen und beidarmiges Stoßen bestehende und damals übliche Fünfkampf war für die Spiele auf den Olympischen Dreikampf (Drücken, Reißen, Stoßen) reduziert worden. Eine neue Ära im internationalen Hantelsport begann und Andrysek leitete diese mit einem Olympiasieg ein. Er gewann im Federgewicht vor dem Italiener Pierino Gabetti und dem Deutschen Hans Wölpert mit einem Vorsprung von 5 kg. Der Sieg wurde ihm nicht leichtgemacht, denn beim Drücken lag er mit 77,5 kg hinter seinen Konkurrenten. Dank der überlegenen Stoßleistung von 120 kg übernahm Andrysek im Finale die Führung. Mit 77,5 kg Drücken, 90 kg Reißen und 120 kg Stoßen fixierte der Wiener 287,5 kg. Die Leistung wurde als Weltrekord registriert und konnte erst sieben Jahre später überboten werden. Ein Jahr nach seinem Erfolg in Amsterdam nahm Andrysek an den Europameisterschaften in Wien teil. Er siegte mit 275 kg. Wie bereits 1925 konnte er auch 1929 den 1. Platz bei der Internationalen Meisterschaft der Tschechoslowakei erringen. Seine Erfolgsliste ergänzte er bei den europäischen Titelkämpfen 1934 in Genua durch den Gewinn der Bronzemedaille. In seiner Laufbahn stellte er nicht weniger als 21 Weltrekorde auf, obwohl er immer wieder längere verletzungs- bzw. krankheitsbedingte Trainingspausen einlegen musste. Wie sein Vater Seilermeister, wollte sich Andrysek bereits ab 1927 nur noch auf seinen Brotberuf konzentrieren, ließ sich dann aber von einem Vereinskollegen überzeugen, doch mit dem Gewichtheben weiterzumachen. Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere 1934 arbeitete er als Kaufmann, später als Hausbesorger. 1928 erhielt er die Goldene Medaille für Verdienste um die Republik Österreich, 1929 die Goldene Ehrennadel des Marathonkomitees.

L.: Illustrierte Kronen-Zeitung, 2., Wiener Sport-Tagblatt, 30. 8., Innsbrucker Nachrichten, 31. 12. 1928; Der Gewichtheber. Offizielles Organ des Österreichischen Gewichtheberverbandes 2, 1981, S. 6; N. Adam, Österreichs Sportidole, 1984, S. 55f. (mit Bild); V. Kluge, Olympische Sommerspiele: die Chronik 1. Athen 1896 – Berlin 1936, 1997, S. 511; Franz Josef Andrysek – Goldmedaille eines Außenseiters, www.olympia.at/museum/statistik.asp?STPID=19&Back=1&TextID=355 (mit Bild, Zugriff 15. 5. 2023); Franz Josef Andrysek, gewichtheben.net/oegv/geschichte/ (mit Bild, Zugriff 15. 5. 2023); Franz Andrysek, www.olympedia.org/athletes/55176 (mit Bild, Zugriff 15. 5. 2023); Franz Joseph Andrysek, olympics.com/de/athleten/franz-joseph-andrysek (Zugriff 15. 5. 2023); Pfarre Stammersdorf, Wien.
(Michael Wenzel)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)