Angelis, Maximilian de (1889–1974), General

Angelis Maximilian de, General. Geb. Budapest (Ungarn), 2. 10. 1889; gest. Graz (Steiermark), 6. 12. 1974; röm.-kath. Sohn der Antonia de Angelis, geb. Anders-Čepek (geb. Mai 1866), Adoptivtochter des Hofjuweliers in Wien Heinrich Josef Anders und der Antonia Čepek, und des Offiziers Anton de Angelis (geb. 16. 5. 1852; gest. Sigmundsherberg, Niederösterreich, 21. 9. 1918). – Angelis besuchte die Volksschule in Znaim, danach die Militärunterrealschule in Eisenstadt sowie die Militäroberrealschule in Mährisch-Weißkirchen. Seine Ausbildung führte ihn weiter an die Technische Militärakademie in Mödling, von wo er 1910 als Leutnant zum Feldkanonenregiment Nr. 42 in Steyr ausmusterte. Anfang August 1914 wurde Angelis zum Oberleutnant, mit Anfang Mai 1917 zum Hauptmann befördert. Im 1. Weltkrieg war er zunächst als Kommandant der 2. Batterie des Feldkanonenregiments Nr. 42 in Galizien und Südpolen eingesetzt und fand später als dem Generalstab zugeteilter Hauptmann an der Isonzo-Front Verwendung. Anfang November 1918 geriet er in italienische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Oktober 1919 zurückkehrte. In der Folge versah er seinen Dienst beim Feldartillerieregiment Nr. 3 und anschließend im Staatsamt für Heerwesen. 1921 erhielt er den Titel Major, zwei Jahre später wurde er zum neu eingeführten Dienstgrad Stabshauptmann im Österreichischen Bundesheer ernannt. 1925 wurde er dem selbstständigen Artillerieregiment zugeteilt und Anfang 1926 zum 3. Brigadekommando versetzt. 1926 zum Major befördert, lehrte er 1927–33 Taktik an der Heeresschule Enns. Seine Beförderung zum Oberstleutnant erfolgte 1929, jene zum Oberst 1933. 1933 kam er zur Militärfachprüfungskommission, ein Jahr später zum 1. Brigadekommando. Anfang September 1934 wurde Angelis in die Operationsabteilung im Bundesministerium für Heerwesen in Wien versetzt, Anfang August 1935 als stellvertretender Kommandant und Lehrer für Operative Kriegsführung der Höheren Offizierskurse verwendet. Bis 1938 blieb er Mitglied der Militärfachprüfungskommission. In den 1930er-Jahren entwickelte er zunehmend politische Aktivitäten und wurde Führer des 1936 gegründeten (illegalen) Nationalsozialistischen Soldatenrings (NSR). Am 13. März 1938 ernannte man ihn zum Staatssekretär im Bundesministerium für Landesverteidigung. In dieser Funktion hatte er beim „Anschluss“ wesentlichen Einfluss auf die Eingliederung des Österreichischen Bundesheers in die Deutsche Wehrmacht. Im März 1938 wurde er zum Generalmajor befördert und agierte in der für Personalfragen verantwortlichen „Muff-Kommission“, welche die Überleitung bzw. Pensionierung österreichischer Offiziere veranlasste. Im November desselben Jahres ernannte man ihn zum Artilleriekommandeur XV in Jena. Somit fungierte er als Korpsartilleriekommandant des XV. Armeekorps. 1939 wurde er zum Stab des Heeresgruppen-Kommandos 3 nach Dresden versetzt. Im Sommer dieses Jahres übernahm er das Kommando über die 76. Infanterie-Division, mit der er Stellungen im Westen bezog und im Frühjahr 1940 den Westfeldzug bestritt; 1940 Generalleutnant. Im Anschluss daran wurde er mit der 76. Infanterie-Division nach Polen verlegt, die er ab Mitte 1941 im Südabschnitt der Ostfront in den Ostfeldzug führte. Angelis wurde in der Folge zum kommandierenden General des 44. Armeekorps sowie Anfang März 1942 zum General der Artillerie ernannt. Mit seinem Korps war er im Raum Slowjansk eingesetzt, erzwang den Übergang über den Donez und stieß bis zum Kaukasus vor. Außerdem war er an den Rückzugskämpfen beim Kuban-Brückenkopf, bei Melitopol, Cherson, Nikolajew und nordöstlich von Odessa beteiligt. Ende November 1943 gab er das Kommando für das 44. Armeekorps kurzzeitig ab und übernahm die stellvertretende Führung der 6. Armee, bevor er ab Dezember 1943 wieder das 44. Armeekorps befehligte. Von April bis Mitte Juli 1944 führte er erneut stellvertretend die 6. Armee und danach in derselben Funktion die 2. Panzerarmee, bis er Anfang September zu ihrem Oberbefehlshaber ernannt wurde. Nach der Kapitulation der Wehrmacht geriet Angelis im Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1946 kam er in jugoslawische Gefangenschaft, im Oktober 1948 wurde er dort zu einer 20-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt, aber bereits 1949 übergab man ihn in russische Gefangenschaft. In einem Schauprozess 1952 wurde Angelis zu zweimal 25 Jahren Gefängnis verurteilt, 1955 jedoch entlassen. In der Folge verbrachte er einige Zeit in Hannover, bevor er zuerst nach München und dann nach Graz zog. 1918 erhielt er das Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern, 1942 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und 1943 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

L.: Innsbrucker Nachrichten, 19. 11. 1943; lexikon-der-wehrmacht.de (Zugriff 18. 4. 2023); ÖStA Wien / KA NL 930 (B,C) 930 (B,C) ANGELIS de, Maximilian, 1889.10.02–1974.12.06 (mit Bild); Militärpfarre Budapest, Ungarn; Mitteilung Renate Domnanich, Wien.
(Selina Lukas)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)