Angerer, Rudolf; Ps. RANG (1923–1996), Illustrator und Karikaturist

Angerer Rudolf, Ps. RANG, Illustrator und Karikaturist. Geb. Großraming (Oberösterreich), 24. 11. 1923; gest. Wien, 17. 5. 1996; röm.-kath. Sohn von Sabine Angerer, geb. Rauscher (geb. Großraming, 28. 5. 1885; gest. Bischofshofen, Salzburg, 1980), und Rudolf Angerer (geb. Waidhofen an der Ybbs, Niederösterreich, 24. 1. 1889; gest. Großraming, 15. 1. 1961), Friseur; ab 1964 mit der Journalistin und Modedesignerin Eva Angerer, geb. Simmel (geb. Wien, 4. 9. 1928; gest. Wien, 18. 10. 2016), Ps. Eva Sylt, der Schwester des Schriftstellers Johannes Mario Simmel, verheiratet. – Aufgewachsen in Großraming, zeigte Angerer schon früh Interesse an Illustration und Karikatur. Nach drei Jahren Realschule in Linz besuchte er ab 1939 die Staatliche Kunstgewerbeschule Wien. 1941 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und geriet in amerikanische Gefangenschaft. Während seines Aufenthalts in den USA hatte er Gelegenheit, sich mit amerikanischer Karikatur auseinanderzusetzen. 1946 konnte er sein unterbrochenes Studium in der Fachklasse für Gebrauchs-, Illustrations- und Modegraphik bei Professor Paul Kirnig fortsetzen, das er 1948 mit Diplom abschloss. Ab 1950 illustrierte Angerer Kinderbücher (darunter Karl Bruckners „Die Spatzenelf“, 1950), gestaltete Werbeschriften und war als Zeichner von Statistiken im Büro einer Wirtschaftsorganisation tätig. Im Kabarett Simpl knüpfte er erste Kontakte zur Kabarettszene. Von 1955 bis 1963 illustrierte er im „Neuen Kurier“ die wöchentliche Kolumne „Blattl vor’m Mund“ von Helmut Qualtinger und Carl Merz. Für die von Gerhard Bronner geleiteten Kabarettbühnen Intimes Theater (1956–58) und Neues Theater am Kärntner Tor (1959–66) gestaltete er für das Namenlose Ensemble (Bronner, Merz, Qualtinger, Michael Kehlmann, Georg Kreisler, Peter Wehle u. a.) improvisierte Bühnenbilder und Programmhefte (u. a. Blattl vor’m Mund, Glasl vor’m Aug, Dachl über’m Kopf, Hackl vor’m Kreuz). Weiters entwarf Angerer die Covers für die Schallplattenreihe „Kabarett aus Wien“ (Preiser Records). Es folgten weitere Buchillustrationen (Qualtinger – Merz: Blattl vor’m Mund, 1959; Bronner – Merz – Qualtinger: Glasl vor’m Aug, 1960). Auch als politischer Karikaturist arbeitete Angerer ab Mitte der 1950er-Jahre für den „Neuen Kurier“. 1961 erschien dazu eine erste Publikation: „St(r)icheleien“, Kurier-Karikaturen aus dem Jahr 1960. 1971 wurde er als erster Karikaturist mit dem Dr. Karl Renner-Publizistikpreis ausgezeichnet. Über 30 Jahre lang arbeitete er für den „Kurier“, danach kurzzeitig für „Täglich alles“. Neben seiner Tätigkeit als politischer Karikaturist war Angerer weiterhin sehr erfolgreich als Illustrator tätig. Er gestaltete Kinderbücher u. a. für Traudi Reich („Ich und Du. Kinderreime“, 1960; „Hänschen klein. Kinderlieder und Spiele“, 1963), Eva Sylt („Unser Kater Oper“, 1965) und Peter Daniel („Der Buchstabentempel“, 1996). Ab Anfang der 1960er-Jahre schuf er nicht nur Buchumschläge, sondern illustrierte auch zahlreiche Bücher von Ephraim Kishon (u. a. „Kishons buntes Bilderbuch“, 1971; „Ein Apfel ist an allem schuld“, 1994; „Total verkabelt“, 1995) und Hugo Wiener (u. a. „Das Beste aus dem Simpl“, 1973; „Seid nett zu Vampiren“, 1976; „Heiterkeit auf Lebenszeit“, 1979; „Diskretion Nebensache“, 1989). Weiters illustrierte er Bücher von Peter Orthofer (u. a. „Österreich hat immer Saison“, 1966), Maxi Böhm, Otto Kampmüller, Jörg Mauthe, Fritz Muliar, Trude Marzig, Heinz Riemer und anderen. Daneben realisierte Angerer auch eigene Buchprojekte wie „Helden und andere Menschen“ (1960), „Manches über Eva“ (1964), „Angerer’s Nibelungenlied“ (1972) und „Rudolf Angerer’s 1. Hilfe“ (1976). Seine Karikaturen, Zeichnungen und Illustrationen wurden in Einzelausstellungen (u. a. Galerie Schwarzer Wien, 1976, 1981, 1983; Karikaturmuseum Krems, 2020) und Gruppenausstellungen (u. a. Grazer Stadtmuseum, 1985; Galerie Weihergut Salzburg, 1989; Karikaturmuseum Krems, 2014, 2015, 2020) präsentiert. Er ist mit Werken wie „Angerer’s Nibelungenlied“ in der Karikatursammlung der Landessammlungen Niederösterreich vertreten. Die politischen Karikaturen Angerers (signiert „RANG“ oder „RANG.“) zeigen eine lineare, sich im Lauf der Jahre zunehmend verknappende Stil- und Formensprache. Angerer arbeitete vorwiegend mit Feder und Tusche. Im Gegensatz zu seinen Illustrationen waren die Karikaturen selten koloriert, um 1960 kam es zum Einsatz von Collage-Elementen (u. a. Fotos). Die Buchillustrationen, zumeist ausgeführt in Tusche und Aquarell, sind vignettenartig, pointiert und detailreicher. Nicht zuletzt aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit für den „Kurier“ nimmt Angerer neben Ironimus (Gustav Peichl), Hellmuth Macheck, Rolf Totter und anderen eine bedeutende Position in der österreichischen politischen Karikatur nach 1945 ein. Als erfolgreicher Illustrator machte er sich v. a. in der satirischen Literatur und aufgrund seiner eigenen Buchprojekte einen Namen.

L.: AKL; Fuchs, 20. Jh.; R. Schmidt, Österreichisches Künstlerlexikon, 1974; Mehr als 1000 Worte. Die Geschichte Österreichs von 1945 bis 1985 in der Karikatur, ed. W. Steinböck, Graz 1985, S. 18 (Kat.); Karikatur in Österreich. Die letzten zehn Jahre, St. Pölten 1993 (Kat.); F. Lugmayer, in: Oberösterreichischer Kulturbericht 50, 1996, Folge 11, S. 15; Universität für angewandte Kunst, Wien; Pfarre Großraming, Oberösterreich.
(Jutta M. Pichler)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)