Angermayer-Rebenberg, Erwin; bis 1919 Angermayer Ritter von Rebenberg (1888–1963), Höhlenforscher und Mediziner

Angermayer-Rebenberg Erwin, bis 1919 Angermayer Ritter von Rebenberg, Höhlenforscher und Mediziner. Geb. Salzburg (Salzburg), 9. 6. 1888; gest. Salzburg, 20. 3. 1963; röm.-kath., ab 1908 evang. AB. Sohn von Amalia Angermayer Edle von Rebenberg (Angermayer-Rebenberg), geb. Hitzinger (1857–1939), Tochter eines Wiener Richters, und dem Spitalsapotheker und Gerichtschemiker Josef Angermayer Ritter von Rebenberg (Angermayer-Rebenberg) (geb. Wels, Oberösterreich, 5. 8. 1853; gest. Salzburg, 13. 6. 1924), Vater von Irmgard Angermayer-Rebenberg (geb. 1918), die den Bezirkshauptmann von Kitzbühel Hans (von) Trentinaglia heiratete, sowie der Musiklehrerin in Salzburg Eva Angermayer-Rebenberg (geb. Salzburg, 8. 5. 1921); ab 1917 verheiratet mit Hildegard Angermayer von Rebenberg (Angermayer-Rebenberg), geb. Möller (geb. Krems/Krems an der Donau, Niederösterreich, 24. 9. 1893). – Nach dem Besuch des Akademischen Gymnasiums in Salzburg und Ablegung der Matura 1907 studierte Angermayer-Rebenberg Medizin an den Universitäten Innsbruck, Würzburg, München (Wintersemester 1910/11 – Sommersemester 1911) und Wien (ab 1911/12), unterbrochen 1910 durch sein Einjährig-Freiwilligen-Jahr. 1913 Dr. med. an der Universität Wien, wirkte er zunächst am Garnisonsspital Nr. 7 in Graz. Während des 1. Weltkriegs diente er als Militärarzt (1915 Oberarzt der Reserve sowie Oberarzt, 1917 Regimentsarzt) im Infanterieregiment Nr. 59 an der russischen und italienischen Front und wurde 1917 an die Militärärztliche Applikationsschule in Wien versetzt. Nach Kriegsende in das Österreichische Bundesheer übernommen (1919 im Garnisonsspital Nr. 1, ab 1920 Bataillonsarzt im 3. Alpenjägerbataillon, 1933 kurzzeitige Versetzung zum Pionierbataillon Nr. 3 und dann wieder zum 3. Alpenjägerbataillon), wurde er 1935 als Regimentsarzt des Infanterieregiments Nr. 12 zum Oberstabsarzt 1. Klasse befördert sowie 1937 zum Sanitätschef der 8. Brigade bestellt. Daneben war er auch privat als Mediziner tätig. 1938 wurde Angermayer-Rebenberg, dem keine NSDAP-Mitgliedschaft nachgewiesen werden kann, in den Dienst der Deutschen Wehrmacht eingegliedert und im Folgejahr zum Divisionsarzt der 56. Infanteriedivision ernannt. Er nahm an Fronteinsätzen in Russland und Frankreich teil, wobei er 1942 zum Generalarzt befördert und 1945 pensioniert wurde. In der Nachkriegszeit war er als Arzt im Internierungslager der US Army Camp Marcus W. Orr (Salzburg) tätig. Bereits ab 1910 unternahm Angermayer-Rebenberg gemeinsam mit seinen Schulfreunden →Alexander Mörk von Mörkenstein, dem Archäologen Martin Hell und dem Schriftsteller Karl Schoßleitner Höhlenforschungen im Untersberg (Kolowrathöhle, Schellenberger Eishöhle, Windlöcher), im Hagengebirge (Scheukofen), im Dachstein (Rieseneis- und Mammuthöhle) und im Tennengebirge (Brunneckerhöhle, Schwarzloch bei Lofer). Außerdem war er an paläontologischen Grabungen im Bärenhorst (Gamslöcher, Untersberg), an Forschungen in den Tauglhöhlen (Osterhorngruppe) und an der Überwindung des Sturmsees in der Eisriesenwelt (Tennengebirge) beteiligt. 1911 gründete Angermayer-Rebenberg mit Mörk die Sektion Salzburg des Vereins für Höhlenkunde in Österreich (später Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg). Künstlerisch begabt, beschäftigte sich Angermayer-Rebenberg mit Malerei und Fotografie und übernahm die Kolorierung der bei den Berg- und Höhlentouren angefertigten Diapositive. Ab 1918 wirkte er bei Neuforschungen in der weltweit größten bekannten Eishöhle, der Eisriesenwelt im Tennengebirge, und ihrer Erschließung für den Fremdenverkehr mit. 1921 nahm er an der Eisriesenwelt-Expedition der Akademie der Wissenschaften in Wien unter der Leitung des Chemikers Ernst Hauser teil. 1922 gründete Angermayer-Rebenberg gemeinsam mit →Othenio Abel und →Georg Kyrle die Speläologische Gesellschaft in Wien. Um den Tourismus in der Eisriesenwelt zu fördern, verfasste er 1923 den ersten Fremdenführer („Die Eisriesenwelt im Tennengebirge bei Werfen“), dem mehrere revidierte Auflagen folgten. Als Geschäftsführer und Teilgesellschafter der 1928 gegründeten Eisriesenwelt-Gesellschaft setzte er seine Werbetätigkeit für die Schauhöhle fort. Nach dem 2. Weltkrieg engagierte er sich beim Wiederaufbau des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg. Ab 1949 als Vertreter der Schauhöhlen beim Verband Österreichischer Höhlenforscher aktiv, wurde er 1952 zum Mitglied der österreichischen Prüfungskommission für Höhlenführer ernannt. Weiters beteiligte er sich an der Organisation zahlreicher Veranstaltungen wie dem 1961 abgehaltenen Dritten Internationalen Kongress für Speläologie in Wien, Obertraun und Salzburg. Darüber hinaus hielt er Vorträge über Erste-Hilfe-Leistung im alpinen Gelände und die Geschichte der Salzburger Höhlenforschung. Außerdem arbeitete er im Redaktionsteam für „Große Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild“, 1960 (Neuauflage 2000) mit. 1921–29 fungierte Angermayer-Rebenberg als Obmann des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg (1932 Ehrenmitglied, 1952 Ehrenobmann) sowie 1961–66 als Vizepräsident des Verbands Österreichischer Höhlenforscher. 1930 erhielt er das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Nach ihm ist der Erwin-Tunnel in der Eisriesenwelt im Tennengebirge benannt.

Weitere W. (s. auch Günther): Nachruf für die im Kriege gefallenen Höhlenforscher Alexander von Mörk und Hermann Rihl, in: Mitteilungen für Höhlenkunde, Karstmelioration und Urgeschichte 8–12, 1915/19, H. 1; Das Höhlenmuseum des Landes Salzburg in Hellbrunn, in: Die Höhle in Sport, Wissenschaft und Kunst, red. M. Rohrer, 1922; Die Eisriesenwelt im Tennengebirge (Salzburg), 1926 (gemeinsam mit A. Asal u. a.); Zur Geschichte der Höhlenforschung in Salzburg. Festrede anlässlich der 20-jährigen Gründungsfeier des Vereines für Höhlenkunde in Salzburg am 9. Oktober 1931, in: Speläologisches Jahrbuch 13–14, 1932/33; Dem Andenken eines großen Höhlenforschers. Gedenkblatt für Ing. Walter Freiherr von Czoernig-Czernhausen, in: Die Höhle 1, 1950; Bericht über die 40jährige Bestandsfeier des Landesvereines für Höhlenkunde Salzburg, 1951; Kleiner Führer durch die Eisriesenwelt im Tennengebirge bei Werfen. Mit Höhlenplänen und Wanderkarten der Umgebung Werfen, 1959; Zur Geschichte der Höhlenkunde und Höhlenforschung in Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 101, 1961.
L.: F. Oedl, In Memoriam Erwin Angermayer, in: Die Höhle 14, 1963, S. 105ff. (mit Bild); A. Bergthaller, Totentafel. Angermayer Erwin, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 104, 1964, S. 340f.; W. Günther, Dr. Erwin Angermayer, Ritter von Rebenberg, zum 100. Geburtstag, in: Die Höhle 39, 1988, S. 43ff. (mit Bildern und W.); W. Klappacher, Salzburger Höhlengeschichte – Teil 2: Die Höhlenforschung in der Zwischenkriegszeit, in: Festschrift – 100 Jahre Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, red. A. Oertel u. a., 2011, S. 18ff.; J. Mattes, Wissenskulturen des Subterranen, 2019, S. 60ff.; Pfarre Salzburg-St. Andrä, Salzburg.
(Johannes Mattes)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)