Angermayer Alfred Anton (Antonius), Ps. Angermayer Fred Antoine, Angermayer Fred A., Lynx, Greif Theodor, Schriftsteller. Geb. Mauthausen (Oberösterreich), 7. 12. 1889; gest. Wien, 17. 7. 1951; röm.-kath. Sohn des wohlhabenden Gasthausbesitzers Julius Angermayer und der Anna Angermayer, geb. Frank. – Angermayer wuchs zunächst in Mauthausen auf, bis der Vater den gesamten Besitz verkaufte und die Familie nach Paris übersiedelte, wo Angermayer eine gymnasiale Ausbildung absolvierte. Danach verbrachte er einige Zeit in Großbritannien, ehe er im 1. Weltkrieg in der k. u. k. Armee diente. Nach einem Intermezzo als Dramaturg in Brno ließ sich Angermayer 1921 in Berlin nieder, bewegte sich im Kreis um den expressionistischen Dramatiker Georg Kaiser und übersetzte einige von dessen Werken ins Französische (u. a. „Das Frauenopfer“, 1921). Darüber hinaus verfasste er eigene Dramen in expressionistischer Manier („Morgue“, 1921; „Raumsturz“, 1922; „Reliquien“, 1923) sowie den Sonettenzyklus „Blut“ (1923) und den von Bruno Weigl vertonten Lyrikband „Messe der Vergangenheit“ (1923). 1924 Mitbegründer des kurzlebigen Dramatischen Theaters und der zugehörigen Zeitschrift „Das dramatische Theater“, machte er sich parallel dazu einen Namen als Übersetzer aus dem Französischen und Englischen, u. a. „An Straßenecken“ („Au Coin des Rues“) von Francis Carco (1925), „Schieber des Ruhms“ („Les Marchands de Gloire“) von Marcel Pagnol und Paul Nivoix (1927), „Der unheimliche Mönch“ („The Terror“) von Edgar Wallace (1928) und „Giganten der Landstraße“ („Tour de Souffrance“) von Andre Reuze (1928). In Berliner Printmedien rezensierte er französische Neuerscheinungen. Mitte der 1920er-Jahre hatte sich Angermayer in Berlin etabliert, war u. a. Mitglied der Novembergruppe, der Deutschen Bühne und des PEN-Clubs und fungierte als wichtiger Kulturvermittler zwischen Deutschland und Frankreich. Er schrieb gesellschaftskritische Komödien à la Carl Sternheim (u. a. „Komödie um Rosa“, 1924; „Kirschwasser“, 1926), ehe er sich mit Zeitstücken (u. a. „Achtung! – Parade!“, 1931) dem Realismuskonzept der Neuen Sachlichkeit annäherte. Seine Stücke liefen erfolgreich auf deutschsprachigen (u. a. „Flieg, roter Adler von Tirol!“, UA 1929 im Wiener Burgtheater), aber auch auf französischen Bühnen, wobei „Vole aigle rouge!“ als Antikriegsdrama gesehen wurde. Die Komödie „Der Strich durch die Rechnung“ (1930) wurde 1932 von der Ufa verfilmt (englischer Titel „Spoiling the Game“, französischer Titel „Rivaux de la Piste“). In dieser Zeit dürfte Angermayer bereits in rechtes Fahrwasser abgedriftet sein, im Gegensatz zu Frankreich galt „Flieg, roter Adler von Tirol!“ im deutschen Sprachraum als Grenzlanddrama ganz im Sinne des erstarkenden Nationalsozialismus. Als das ebenfalls verfilmte Bühnenstück „Die drei Kaiserjäger“ (1932) im November 1933 in die Kinos kam, hatte sich das NS-Regime bereits etabliert. Angermayers Stellenwert veranschaulicht die Verleihung der Goldenen Dichternadel 1933 durch Propagandaminister Joseph Goebbels sowie die Berufung in den Dichterkreis des Reichsbunds der deutschen Freilicht- und Volksschauspiele. Seine Dramen (u. a. „Nizza – Paris“, 1937) erfreuten sich großer Beliebtheit, dazu kamen Hörspiele (u. a. „Der Mann aus dem Express“, 1938) und u. a. der Prosatext „Tiroler Bergbauerngeschichten“ (1938), der auf einigen NS-Empfehlungslisten stand. Im Gegensatz dazu landete die Edgar-Wallace-Übersetzung „Der unheimliche Mönch“ auf dem Index, und aus politischen Gründen – Mussolini hatte gegen die Südtirol-Thematik protestiert – verschwand „Flieg, roter Adler von Tirol!“ vom Spielplan. Nach 1938 brach Angermayers Publikationstätigkeit infolge schwerer Erkrankung weitgehend ab, dennoch gehörte er mit Tantiemen aus Theater und Film (Einnahmen 1942: 15.000 Reichsmark) zu den Besserverdienern der Branche. Wie weit er sich inzwischen von seiner einstigen französischen Wahlheimat entfernt hatte, zeigte der Beitrag „Abrechnung mit Paris“ in der Anthologie „Das heldische Jahr“, 1941 herausgegeben von Wilmont Haacke und Wilfrid Bade. Im Jänner 1944 wurden Angermayers Wohnung und sein Archiv durch Sprengbomben völlig zerstört, die Monate bis Kriegsende verbrachte er in Thüringen. Nach 1945 lebte er in Wien, war krankheitshalber auf Unterstützung angewiesen und schrieb nur mehr fallweise, u. a. „Träume“ (1948). Der Tour-de-France-Roman „Giganten der Landstraße“ wurde in seiner Übersetzung bis Ende der 1990er-Jahre mehrfach aufgelegt.

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