Arleth Emmerich, Schauspieler und Sänger. Geb. Wien, 14. 8. 1900; gest. Wien, 11. 11. 1965 (Ehrengrab: Zentralfriedhof); evang. AB. Sohn von Franziska Arleth, geb. Kaschka (geb. Wien, 7. 9. 1865; gest. Wien, 2. 8. 1912), Wirtin, und Karl Wilhelm Arleth (geb. Wien, 14. 1. 1862; gest. Wien, 20. 8. 1906), Friseur, Bruder von Karl Wilhelm Arleth (geb. Ottakring, Niederösterreich/Wien, 14. 10. 1890; gest. in russischer Kriegsgefangenschaft, 1917), Vater von Emmerich Arleth (geb. Wien, 26. 5. 1924; gest. Wien, 22. 5. 2006); ab 1922 mit Josefa Arleth, geb. Horek (geb. 24. 9. 1899; begraben Wien, 5. 1. 1998), verheiratet. – Arleth übersiedelte nach dem frühen Tod seines Vaters mit der Mutter und den Geschwistern von Wien-Ottakring nach Wien-Hernals. Hier wuchs er in unmittelbarer Nähe des damaligen Etablissements Klein (heute Metropol) auf, wo er in direkten Kontakt zu populären Volkssängerinnen und -sängern (wie Louise Montag, s. →Aloisia Plechacek, →Edmund Guschelbauer und Hansi Führer) kam und 1908 seinen ersten öffentlichen Auftritt mit →Gustav Picks „Fiakerlied“ hatte. Nach dem Tod der Mutter lebte Arleth beim älteren Bruder Karl Wilhelm und erlernte den Friseurberuf. Daneben pflegte er Kontakt zum Hernalser Jugendbund und lernte Geige, Kontrabass sowie Gitarre. 1915 trat er bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung des Katholischen Volksbunds Hernals als Vortragender von Gedichten an die Öffentlichkeit. Ab 1917 leistete er Kriegsdienst und wirkte laut eigenen Angaben in diversen Fronttheatern sowie bei Wohltätigkeitsveranstaltungen mit. Nach der Rückkehr fand Arleth Beschäftigung als Sänger in kleinen Rollen bei der Volkssängergesellschaft von Josef und Marie Ullmann, die im Etablissement Klein auftrat. Ab etwa 1919 bis zumindest 1933 präsentierte er sich auch mit dem Komiker Ferdinand Steinbauer als Duo Arleth-Steinbauer, das sich dem Repertoire der Wiener Volkssänger verpflichtete. Kurz nach der Heirat 1922 erhielt Arleth eine Stelle bei einer Versicherung, verfolgte jedoch weiterhin seine Karriere als Sänger und Schauspieler. Er nahm 1925–27 Unterricht an der Schauspielschule Otto (Gesang und Sprechtechnik) und erhielt Gesangsunterricht bei Egmont Plowitz. 1927 legte er die Artistenprüfung als Humorist ab, am Klavier begleitet von seinem Freund Hans Weiner-Dillmann. Er spielte weiterhin in der Gesellschaft Ullmann, unternahm eine Tournee mit einer Mysterienspiel-Vereinigung durch Deutschland und die Schweiz und arbeitete danach als Vortragskünstler und Humorist in Kabaretts und Varietés, wobei er sich besonders dem Wienerlied widmete. Ab 1928 war Arleth auch auf Radio Wien zu hören. 1929 gelang ihm in Wien der Sprung auf die Operetten- bzw. Revuebühne, in der Folge spielte er in der Komödie, im Stadttheater und im Schauspielhaus sowie 1939–41 an der Revuebühne Femina, wohin ihn sein Freund Fritz Imhoff vermittelt hatte und wo Arleth auch als Regisseur tätig war. Dazu kamen Gastspiele im In- und Ausland. Sein Sohn Emmerich begleitete ihn ab 1938 als Korrepetitor am Klavier. Den Kriegsdienst (1940–42) leistete Arleth zunächst im Mai/Juni 1940 als Soldat beim Westfeldzug, ab November 1940 als Künstler bei Fronttourneen. Während seiner Urlaube trat er weiterhin auf Wiener Bühnen auf, und ab Ende 1942 spielte er hauptsächlich als Operettenkomiker am Raimundtheater. Nach Kriegsende 1945 folgten Auftritte in verschiedenen Kabaretts, u. a. im Simpl, mit dessen Ensemble er im Sommer 1946 auch Gastspiele in Salzburg und Linz absolvierte. Hinzu kamen regelmäßige Mitwirkungen bei Veranstaltungen der Gesellschaft zur Hebung und Förderung der Wiener Volkskunst. Ab 1947 spielte er in mehreren Filmen mit (u. a. „Wienerinnen“, 1952; „Praterherzen“, 1953; „Der Komödiant von Wien“, 1954). Darüber hinaus betätigte sich Arleth nach 1945, wie schon 1934–38, wieder als Präsident der Sektion Artisten in der Gewerkschaft für Kunst und freie Berufe, als Kuratoriumsmitglied von Künstler helfen Künstlern und 1959 als Gründer und Präsident des Sozialwerks für österreichische Artisten. In der Volkshochschule Ottakring präsentierte er 1951/52 und 1957–60 Wienerlieder und deren Protagonisten so erfolgreich, dass er eine Hörfunkreihe zum selben Thema gestaltete, die insgesamt über 200 Folgen umfasste. Auch die Fernsehreihe „O du süaße Weana Musi“, die er 1959–63 moderierte (Manuskript gemeinsam mit Paul Stockmeier, musikalische Betreuung Karl Grell), blieb dieser Thematik treu. In den Sommermonaten stand Arleth Anfang der 1960er-Jahre regelmäßig in Bad Ischl auf der Operettenbühne. Seinen letzten Auftritt hatte er zwei Tage vor seinem Tod in Wien-Liesing. Arleth zählt zu den populärsten Interpreten des Wienerlieds seiner Generation, dem auch dessen Protagonisten am Herzen lagen und deren Leben und Wirken er auf unterschiedliche Weise volksbildnerisch bekannt machte. Ebenso erwarb er sich über Jahrzehnte als Gewerkschafter für Artisten Verdienste. Er war Ehrenmitglied des Katholisch-deutschen Jugendbunds „Dr. Karl Lueger“ (vor 1933) und Ehrenpräsident des Vereins Das Wienerlied. Karl Föderl widmete ihm 1946 das Lied „Ja, die Frau Stasi“ (Text: Alfred Steinberg-Frank) und Oskar Bauer komponierte 1965 zum Gedenken an ihn „D’ letzte Bitt! Laßt’s ma’s Weanaliad net sterb’n“. Arleth erhielt das Große goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1960), den Ehrenring der Büchergilde Gutenberg (1965), den Hut vom lieben Augustin in Bronze der Robert-Posch-Vereinigung (1966) sowie die Robert-Stolz-Medaille in Bronze dieser Vereinigung.

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