Asinger, Friedrich (1907–1999), Chemiker

Asinger Friedrich, Chemiker. Geb. Freiland (Niederösterreich), 26. 6. 1907; gest. Aachen (Deutschland), 7. 3. 1999; bis 1942 röm.-kath. Sohn der Gastwirtstochter Elisabeth Asinger, geb. Mitterer (geb. Lilienfeld, Niederösterreich, 6. 11. 1880; gest. Stocking/Wildon, Steiermark. 4. 3. 1973), und des Fabrikswerkleiters Rudolf Asinger (geb. Neuberg an der Mürz, Steiermark, 22. 3. 1871; gest. Wildon, 18. 4. 1946); ab 1937 verheiratet mit Ottilie Asinger, geb. Pollak (geb. Wien, 13. 12. 1907; gest. Dornbirn, Vorarlberg, 7. 2. 1972). – Nach der Matura an der Oberrealschule in Krems studierte Asinger ab 1926 Chemie an der Technischen Hochschule in Wien; 1932 Dr. techn. nach Abfassung der Dissertation „Über den Einfluss von Substituenten auf die Verseifungsgeschwindigkeit von Benzalchlorid“. 1932–35 wirkte Asinger als Assistent am Institut für Organische Chemie der Technischen Hochschule. 1933 trat er der NSDAP bei, 1934 wurde er Mitglied der Vaterländischen Front. 1935–36 fungierte er als Abteilungsleiter der Firma Kareska in Wien, einer Fabrik für chemisch präparierte Papiere, 1936–37 als Chemiker bei der Vacuum Oil Company AG Wien-Kagran. 1937 wechselte er als Chemiker an das Versuchslabor des Ammoniakwerks Merseburg G.m.b.H. Leuna. 1938 trat er dem Nationalsozialistischen Bund Deutscher Technik, 1941 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt bei. 1943 erfolgte seine Habilitation an der Reichsuniversität Graz, 1944 erhielt er die Dozentur an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach der Deportation der Werksleitung avancierte Asinger 1945 zum Leiter des Hauptlaboratoriums der Leuna-Werke, die Universität Halle hingegen entließ ihn. 1946 wurde er im Zuge der Operation Ossoawiachim in die Sowjetunion verschleppt. In Dserschinsk fungierte er als Arbeitsgruppenleiter bei der Entwicklung von Raketentreibstoffen, 1951 arbeitete er in Rubischne im Donbas. Nach der Rückkehr nach Deutschland 1954 war Asinger wieder bei den Leuna-Werken tätig. 1955 wurde er Professor an der Universität Halle, 1958 folgte er einem Ruf an den Lehrstuhl der Organischen Chemie der Technischen Hochschule in Dresden, wo er die dortigen Oberassistenten ermutigte, ein Arbeitsbuch für das organisch-chemische Grundpraktikum zu schreiben, das bis heute populäre, vielfach aufgelegte „Organikum“ (1. Auflage 1962). 1959 reiste Asinger als österreichischer Staatsbürger aus der Deutschen Demokratischen Republik aus und nahm einen Ruf der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen an, wo er die Leitung des Instituts für Technische Chemie und Petrolchemie übernahm. Seine Emeritierung erfolgte 1972. Asinger befasste sich in jungen Jahren mit verschiedensten chemischen und technologischen Aspekten der Paraffine und Olefine. Seine späteren Arbeiten zur Direktsynthese von Schwefel- und Stickstoffheterocyclen durch eine gemeinsame Einwirkung von Schwefel und Ammoniak auf Ketone waren bahnbrechend. Die lösungsmittelfreie Dreikomponenten-Dreiphasen-Reaktion, die einen einfachen Zugang zum Ringsystem der 3-Thiazoline eröffnete, wird heute als Asinger-Reaktion bezeichnet. Als Meilenstein galt seine 1975 publizierte Totalsynthese des Arzneistoffs D-Penicillamin. Ab 1959 war er korrespondierendes, ab 1969 auswärtiges und 1990–92 o. Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. 1972 erhielt er die Carl-Freiherr-Auer-von-Welsbach-Medaille der Gesellschaft Österreichischer Chemiker sowie die Carl-Engler-Medaille der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e. V., 1988 die Hans-Höfer-Medaille der Österreichischen Gesellschaft für Erdölwissenschaften, 1990 das Ehrendoktorat der Technischen Hochschule für Chemie „Carl Schorlemmer“ Leuna-Merseburg, weiters das Ehrendoktorat der Johannes Kepler Universität Linz und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Weitere W. (s. auch Poggendorff 7a/1, 8/1): Chemie und Technologie der Paraffin-Kohlenwasserstoffe, 1956; Einführung in die Chemie und Technologie der Monoolefine, 1957; Petrolchemie, 1959; Synthesen mit Ketonen, Schwegel und Ammoniak oder Aminen bei Raumtemperatur, in: Angewandte Chemie 79, 1967 (gemeinsam mit H. Offermanns); Paraffins: Chemistry and Technology, 1968; Methanol, Chemie- und Energierohstoff, 1986.
L.: W. M. Weigert u. a., D-Penicillamine-production and properties, in: Angewandte Chemie. International Edition 14, 1975, S. 330ff.; W. R. Pötsch u. a., Lexikon bedeutender Chemiker, 1989; W. Keim – H. Offermanns, Friedrich Asinger (1907–1999): ein Vermittler zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung, in: Angewandte Chemie 119, 2007, S. 6116ff.; Pfarre Mauer, Wien; Pfarre Lehenrotte, Niederösterreich; Pfarre Graz-Seckau, Pfarre Neuberg an der Mürz, beide Steiermark; Mitteilung Paulus Ebner, Wien.
(Rudolf Werner Soukup)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)