Asperger Johann (Hans) Friedrich Karl, Mediziner. Geb. Wien, 18. 2. 1906; gest. Wien, 21. 10. 1980; röm.-kath. Sohn der aus einer Bauernfamilie stammenden Sofie Asperger, geb. Messinger (geb. Hausbrunn, Niederösterreich, 15. 5. 1876; gest. Wien, 10. 6. 1969), und des Buchhalters und Steuerberaters Johann Asperger (geb. Hausbrunn, 21. 6. 1876), Vater u. a. der Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie Maria Asperger Felder; ab 1935 verheiratet mit Johanna (Hanna) Asperger, geb. Kalmon (geb. 1. 4. 1909). – Nach dem Abschluss des Bundesgymnasiums in Wien 7 im Juni 1925 studierte Asperger an der dortigen Universität Medizin. Als Teil seiner Ausbildung hospitierte er bei →Franz Chvostek an der 3. medizinischen Klinik. Er erlebte ca. ab der 1. Hälfte der 1920er-Jahre eine starke persönliche Prägung durch den Bund Neuland, eine der Deutschen Jugendbewegung nahestehende katholische Organisation. 1931 erfolgte seine Promotion zum Dr. med. Mit Anfang Mai dieses Jahres trat er in die Wiener Kinderklinik unter Franz Hamburger ein. Nach einem Jahr Tätigkeit auf verschiedenen Abteilungen kam er 1932 als Hilfsarzt an die Heilpädagogische Abteilung der Klinik. 1933 vertiefte er seine Kenntnisse als Hospitant an der Wiener psychiatrisch-neurologischen Klinik bei Otto Pötzl, 1934 an der psychiatrischen Klinik in Leipzig bei Paul Schröder. Anfang Mai 1935 übernahm Asperger zunächst als Assistent, ab November 1941 als Oberarzt die Leitung der Heilpädagogischen Abteilung in Wien. Ab Mai 1938 fungierte er nebenberuflich als heilpädagogischer und jugendpsychiatrischer Sachverständiger beim Wiener Jugendgericht. 1940 bekam er eine Stelle als Facharzt für Heilpädagogik beim Wiener Hauptgesundheitsamt und agierte als Berater und Begutachter der Hilfsschüler sowie psychisch auffälliger Kinder. Im Mai 1942 erhielt Asperger die Bestätigung der Ärztekammer über die Erfüllung der Voraussetzungen für die Anerkennung als Facharzt. Im Oktober desselben Jahres beantragte er seine Habilitation mit der Schrift „Die ‚Autistischen Psychopathenʻ im Kindesalter“ (in: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 117, 1944), die seinen späteren weltweiten Ruhm begründete. Nach seiner Lehrprobe zum Thema „Postencephalitische Persönlichkeitsveränderungen“ erfolgte 1943 die Verleihung der Dozentur (bestätigt 1946). Von März 1943 bis Kriegsende eingerückt, diente er zuletzt als Oberarzt bei einer zur Partisanenbekämpfung in Jugoslawien eingesetzten Einheit. Ende August 1945 kam Asperger nach Wien zurück und nahm seine Tätigkeit an der Wiener Universitäts-Kinderklinik wieder auf, deren provisorische Leitung er bis 1949 ausübte. Im November 1945 erhielt er die Anerkennung als Facharzt für Kinderheilkunde, ab Jänner 1946 ordinierte er in seiner Privatpraxis. Im Dezember 1947 wurde er nach dem Beamtenüberleitungsgesetz als Hochschulassistent in den neugebildeten Personalstand übernommen. Ab 1953 ao. Professor, fungierte er ab 1955 als ständig beeideter gerichtlicher Sachverständiger für Psychiatrie mit Schwerpunkt Heilpädagogik und Jugendpsychiatrie. Anfang 1957 erfolgte seine Berufung als o. Universitätsprofessor für Kinderheilkunde an die Universität Innsbruck, wo er im April desselben Jahres als Vorstand die dortige Universitäts-Kinderklinik übernahm. 1962 folgte er dem Ruf als o. Universitätsprofessor und Vorstand der Universitäts-Kinderklinik in Wien; 1977 trat er in den Ruhestand. Asperger prägte über viele Jahrzehnte die Theorie und Praxis der österreichischen Heilpädagogik. Bekanntheit erlangte er mit seiner weithin als eine der ersten Beschreibungen einer autistischen Störung als selbstständiges Krankheitsbild anerkannten Habilitationsschrift, deren Rezeption nach seinem Tod in die weltweite Etablierung des Eponyms „Asperger-Syndrom“ mündete. 1952 erschien die 1. Auflage seines Standardwerks „Heilpädagogik. Einführung in die Psychopathologie des Kindes für Ärzte, Lehrer, Psychologen und Fürsorgerinnen“ (spätere Auflagen mit leicht geändertem Titel: 1956, 1961, 1965, 1968). 1971 bearbeitete er die 22. Auflage des von Emil Feer begründeten und von Gerhard Joppich herausgegebenen „Lehrbuchs der Kinderheilkunde“ völlig neu. Umstritten ist seine Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere im Hinblick auf von ihm veranlasste oder mitverantwortete Überweisungen von Kindern mit Behinderungen in die Wiener „Euthanasie“-Anstalt Am Spiegelgrund. Asperger war ab den 1930er-Jahren Mitglied der St. Lukas-Gilde, ab 1932 des Deutschen Schulvereins Südmark, ab 1934 der Vaterländischen Front sowie des Vereins Deutscher Ärzte in Wien, ab 1938 der Nationalsozialistischen Deutschen Volkswohlfahrt (NSV) und war ab diesem Jahr auch Anwärter des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebunds. 1947 war er Gründungspräsident der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Heilpädagogik, 1950 Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für psychische Hygiene, 1967 erfolgte seine Aufnahme in die Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle an der Saale und 1973 wurde er Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde. 1965 erhielt er die Goldene Medaille der Stadt Wien, 1968 das Große Ehrenzeichen des Bundeslandes Burgenland, 1971 die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, 1972 den Dr. med. h. c. der Universität München und 1975 den Kardinal-Innitzer-Preis.

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