Asveld, Paul Karl (Karel) August (1919–1994), Theologe und Priester

Asveld Paul Karl (Karel) August, Theologe und Priester. Geb. Sint-Pieters-Leeuw (Belgien), 10. 9. 1919; gest. Zermatt (Schweiz), 16. 8. 1994 (begraben: Graz, Steiermark); röm.-kath. Sohn von Frans de Lodewyk Omer Asveld und Maria Antonia Francisca, geb. Mangetschots. ‒ Asveld absolvierte 1932–38 die Mittelschule und ab 1938 ein Hochschulstudium in Belgien. Im April 1945 erfolgte die Priesterweihe in der Diözese Mechelen. 1948 wurde er mit einer Dissertation über Hegel bei Franz Grégoire an der Katholischen Universität Löwen zum Dr. theol., 1950 ‒ ebenfalls mit einer Arbeit über Hegel und wiederum bei Grégoire ‒ ebendort zum Dr. phil. promoviert. 1949–52 hielt er sich zu Studienzwecken in Paris und Tübingen auf. 1952–56 wirkte Asveld als Kaplan an der Brüsseler Hauptkirche St. Michael und St. Gudula, wobei er sich v. a. der Jugendseelsorge (Pfadfinder, Studierende) widmete. Nachdem er sich 1954 in Löwen über die theologischen Jugendschriften Hegels habilitiert hatte, erfolgte 1956 seine Berufung als o. Professor für Fundamentaltheologie und Philosophie an die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Graz; 1958–61 Senator, 1961/62, 1970/71 und 1979–81 Dekan, 1970–78 Vorstand des Instituts für Philosophie und Fundamentaltheologie, 1989 Emeritierung. Asveld, der von Graz aus Studienaufenthalte in Oxford (1960/61), Cambridge (1975/76) und Paris (1983/84) absolvierte, forschte v. a. zu Aristoteles, Thomas von Aquin sowie den anglikanischen Schriften von Kardinal John Henry Newman und setzte sich mit Fragen nach dem Verhältnis von Heiliger Schrift und Tradition, von kritischer und dogmatischer Exegese sowie mit der Theologie der Befreiung auseinander. Er stand in regem interdisziplinärem Austausch mit Historikern und Politikwissenschaftlern. Bei der Verleihung des Ehrendoktorats an den belgischen Theologen und Kirchenhistoriker Roger Aubert im Mai 1985 durch die Grazer Katholisch-Theologische Fakultät fungierte er als Laudator. Der sportbegeisterte Theologe verstarb während eines Urlaubs in den Schweizer Bergen. Er setzte die Katholische Universität Löwen als alleinige Vermächtnisnehmerin ein, um mit dem Fonds Asveld Theologiestudenten und Priester aus Entwicklungsländern zu fördern; ebenso vermachte er ein Legat den Scheut-Missionaren (Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens). Asveld war langjähriger Seelsorger der Schwesterngemeinschaft Dienerinnen Christi in Graz-Andritz, Diözesanvertreter der Pax-Christi-Bewegung, Mitglied der karitativen Bruderschaft St. Christoph sowie des Schweizer Alpen-Clubs in Bern. 1984 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark und 1990 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. 1989 wurde er zum Bürger der Stadt Graz ernannt.

W.: Hegel réformateur religieux (1793‒1796), 1952; Van Kant tot Hegel, 1953; La pensée religieuse du jeune Hegel. Liberté et aliénation, 1953; Die Naturphilosophie des Aristoteles, 1965; Écriture et tradition à propos de livres récents, in: Ephemerides theologicae Lovanienses 41, 1965, Nr. 3; L'essentiel et le secondaire. La doctrine des fondamentaux dans la via media anglicana, 1985 (deutsch: Das Wesentliche und das Unwesentliche. Die Lehre der „Fundamentals“ in der anglikanischen Apologetik der „Via media“, 1986, Typoskript, Institut für Fundamentaltheologie der Universität Graz); Fundamentaltheologische Gegenwartsfragen. Die Kontroverse um die „Nouvelle théologie“, 1986; Metaphysik. Systematischer Teil, 1986; Fundamentaltheologie, theologische Erkenntnislehre 1956–1989; 1989; Newman anglican et Wiseman dans le cadre du Mouvement d'Oxford (1833–1845), 2 Bde., 1993; Verleihung der Ehrendoktorwürde der Theologie an Roger Aubert und Elisabeth Gössmann. Akademische Feier ..., 1985 (gemeinsam mit J. Bauer).
L.: Wissen. Glauben. Politik. Festschrift für Paul Asveld, ed. W. Gruber u. a., 1981; H. Schnuderl, in: Sonntagsblatt für Steiermark, 28. 8. 1994, S. 12; W. Höflechner, Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, 2006, s. Reg.; F. Schneider, Die Lehrenden an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz, Masterarbeit Graz, 2022, s. Reg.; Diözesanarchiv Graz-Seckau, UA, beide Graz, Steiermark.
(Michaela Sohn-Kronthaler)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)