Aubry Blanche Arsénie Marie, verheiratete Aubry von Langheim, Schauspielerin. Geb. Les Breuleux (Schweiz), 21. 2. 1921; gest. Wien, 9. 3. 1986 (ehrenhalber gewidmetes Grab: Zentralfriedhof); röm.-kath. Tochter von Estelle Aubry, geb. Bouverat, und Abel Pierre Louis Aubry, Uhrenmechaniker; ab 1959 mit dem Schauspieler Götz von Langheim (geb. Berlin, Deutsches Reich/Deutschland, 15. 6. 1928; gest. Krems an der Donau, Niederösterreich, 25. 10. 2013) verheiratet. – Nach ihrer Ausbildung in Basel war Aubry ab 1939 als Tänzerin und von 1941 bis 1945 als Sängerin und Schauspielerin am Stadttheater Basel beschäftigt. Sie trat vorwiegend in Operetten- und Soubretten-Partien auf, wie etwa als Försterchristl in →Georg Jarnos gleichnamiger Operette, aber beispielsweise auch als Musette in Giacomo Puccinis „La Bohème“ und Micaëla in Georges Bizets „Carmen“. In der Saison 1945/46 ging sie mit dem Trudi-Shoop-Ballett auf Tournee und gastierte mit der Tanzkomödie „Barbara“ u. a. am Broadway in New York. Danach spielte Aubry u. a. am Schauspielhaus Zürich, am Schweizer Cabaret Cornichon oder im Theater am Central in Zürich. In der Eröffnungssaison des Cabaret Fédéral 1949/50 wirkte sie etwa im ersten Programm „Hinterm Mond“ mit. Anschließend wechselte Aubry zur Komödie Basel, wo sie bis 1959 große Erfolge erzielte, beispielsweise als Lizzie in Jean-Paul Sartres „Die ehrbare Dirne“, Blanche in Tennessee Williams' „Endstation Sehnsucht“, Katharina in Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ oder in den Titelpartien in Marc-Gilbert Sauvajons „Bezaubernde Julia“ und Terence Rattigans „Der Prinz und die Tänzerin“. Sehr oft stand sie dabei zusammen mit Leopold Biberti, ihrem damaligen Lebensgefährten, auf der Bühne, wie etwa in George Bernard Shaws „Pygmalion“, wo sie als Eliza und Professor Higgins das Publikum begeisterten. Daneben gastierte Aubry u. a. am Stadttheater Basel sowie an Wiener Bühnen, so am Theater in der Josefstadt als Sylvia in Karin Jacobsens „Wege des Zufalls“ (Saison 1953/54). Von 1958 bis 1960 übernahm sie Gastrollen am Wiener Volkstheater, u. a. in →Hermann Bahrs „Josephine“ unter der Regie von Gustav Manker oder in der österreichischen Erstaufführung von Tennessee Williams' „Orpheus steigt herab“. Ende 1959 wechselte Aubry ans Burgtheater, dessen Mitglied sie bis zu ihrem Tod blieb. Ihr Debüt gab sie mit Fritz Hochwälders „Donnerstag“ in der Rolle der Amélie. Zeitgenössische Stücke, oft französischer Herkunft, blieben auch später ihre Spezialität. So mimte sie die Caesonia in Albert Camus' „Caligula“, die Generalin in Jean Anouilhs „Der Walzer der Toreros“, Sonja in Loleh Bellons „Wie immer am Donnerstag“ oder Madeleine in Eugène Ionescos „Opfer der Pflicht“. In Sartres „Die Fliegen“ übernahm sie sogar eine Doppelrolle, Klytämnestra und die tänzerisch aufgelöste Rolle der ersten Erinnye, 1965 eine Novität für das Burgtheater. Aubry war dafür bekannt, Grenzen auszuloten und Rollen überraschend zu interpretieren. Immer wieder stand sie mit Persönlichkeiten wie Heinrich Schweiger, Oskar Werner, Peter Weck, Judith Holzmeister, Achim Benning und Boy Gobert auf der Bühne, unter der Regie von Leopold Lindtberg, Ernst Lothar, Gerhard Klingenberg und anderen. Etliche Produktionen wurden auch für das Fernsehen aufgezeichnet. Aubry überzeugte in vielen Ur- sowie Erstaufführungen, wie etwa als Blae in der deutschsprachigen Erstaufführung von Christopher Frys „König Kurzrock“ und in verschiedenen Rollen der deutschsprachigen Erstaufführung von Roberto Guicciardinis „Candide oder Die wechselvolle Reise durch den Archipel der Vernunft“ nach Voltaire. Wichtige Partien an der Seite von Vera Borek oder Rudolf Wessely spielte sie in Uraufführungen wie →Ödön von Horváths „Mord in der Mohrengasse“ als Altmodische, Max Frischs „Triptychon“ als Witwe und Václav Havels „Das Berghotel“ als Lisa. Als Spelunken-Jenny aus Bertolt Brechts „Die Dreigroschenoper“ gastierte sie 1983 mit dem Burgtheater in Japan. Ihre letzte große Rolle war die Winnie in Samuel Becketts „Glückliche Tage“. Aubry wirkte auch bei etlichen Festspielproduktionen mit, etwa bei den Salzburger Festspielen als Hexe in Goethes „Faust“ oder bei den Bregenzer Festspielen als Julia Chomin in der Uraufführung von Roman Brandstaetters „Der Tag des Zorns“. Als Musicaldarstellerin erzielte sie am Theater an der Wien 1968 mit der Interpretation der Dulcinea in Mitch Leighs „Der Mann von La Mancha“ einen durchschlagenden Erfolg und überzeugte 1970 in der Rolle des exzentrischen Conférenciers in Joe Masteroffs und John Kanders „Cabaret“. Immer wieder arbeitete Aubry auch für Film und Fernsehen. So spielte sie etwa Jeanette an der Seite von Therese Giehse im Schweizer Film „Das Gespensterhaus“ (Regie: Franz Schnyder), Mary in „Polizischt Wäckerli“, Iduna in „Feuerwerk“ (Regie: Erik Ode) oder Theresa in „Alias Monique“. Im Fernsehfilm „Die Großherzogin von Gerolstein“ sang sie die Titelpartie (Regie: Michael Kehlmann). An der Seite von Helmut Qualtinger war sie im Fernsehspiel „Der Himbeerpflücker“ von Fritz Hochwälder zu sehen. Ebenfalls zusammen mit Qualtinger reüssierte Aubry in der Langspielplattenfassung von →Arthur Schnitzlers „Reigen“. Auf Schallplatte nahm sie zusammen mit Georg Kreisler zudem „Sieben Galgenlieder“ (Text: Christian Morgenstern, Musik: Friedrich Gulda) auf. Aubry wurde für ihre Vielseitigkeit sowie große Wandlungsfähigkeit gefeiert. Sie beherrschte klassische wie moderne Rollen, konnte als mondäne Salondame genauso überzeugen wie als komödiantische oder ernste Figur, besonders lagen ihr skurrile widersprüchliche Charaktere. Die 1968 mit der Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien ausgezeichnete Aubry wurde 1979 österreichische Kammerschauspielerin und 1986 Ehrenmitglied des Burgtheaters. Nach ihr ist seit 1998 der Blanche-Aubry-Weg (Wien-Döbling) benannt.

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