Auer Erwin Maria, Kunsthistoriker und Museumsdirektor. Geb. Wien, 26. 3. 1907; gest. Wien, 6. 8. 1989; röm.-kath. Sohn des Schuldirektors Hans Auer und der Emilie Auer, geb. Eichinger; ab 1934 verheiratet mit Hilde Auer, geb. Meloun. – Auer besuchte 1918–26 das Wiener Schottengymnasium und studierte anschließend an der Universität Wien Germanistik, Geschichte, Geographie und Kunstgeschichte; Dr. phil. 1931. 1946/47 absolvierte er den Lehrgang am Institut für österreichische Geschichtsforschung an der Universität Wien, den er im Juni 1947 mit der Staatsprüfung abschloss. 1931 begann er seine Laufbahn als Bibliothekar mit Stipendium am Seminar für Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Universität Wien. Ab Oktober 1933 war er Vertragsbediensteter im Vizekanzleramt, ab Oktober 1934 im Bundesministerium für Unterricht. Ab Mai 1936 fungierte er als wissenschaftlicher Assistent und ab Anfang 1938 als Ministerialkommissär in der Abteilung Volksbildung (Volksbüchereien, Lichtbild- und Filmdienst, Vorarbeiten für ein Volksbildungsgesetz). Daneben leitete er als Geschäftsführer das Kinderferienwerk der Bundesregierung, später der Vaterländischen Front. 1933–38 organisierte er so Ferienaufenthalte für mehr als 220.000 bedürftige Kinder und verfasste zahlreiche Artikel zu Fragen der Jugendfürsorge. Ab September 1939 am Museum für Volkskunde beschäftigt, wurde Auer im Juni 1940 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen, geriet 1945 in Kriegsgefangenschaft und wurde im November 1945 nach drei schweren Verwundungen und mit einer Invalidität von 60 % aus dem Lazarett entlassen. Im März 1946 trat Auer in das Kunsthistorische Museum ein und avancierte im Juli desselben Jahres zum Kustos II. Klasse. Seit Februar 1951 Leiter der Sammlung historischer Prunk- und Gebrauchswagen mit Monturdepot (der späteren Kaiserlichen Wagenburg) sowie der Museumsbibliothek mit Reproduktionsabteilung, wurde er im Juli 1951 Kustos I. Klasse. Im Juni 1958 zum Direktor ernannt, war er schließlich von Anfang 1968 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Ende 1972 auch Erster Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM). Unter Auer wurde 1951 die seit 1922 in der Winterreitschule, dem Reitstall und dem Kutschenstall von Schloss Schönbrunn untergebrachte Wagenburg eine selbstständige Sammlung des KHM. Seine Hauptaufgabe stellte die Restaurierung der im Februar 1945 durch Bombenschäden in Mitleidenschaft gezogenen Sammlung, ihrer Depots und Objekte (Imperialwagen) sowie die wissenschaftliche Erstinventarisierung und Konservierung der Bestände dar. Während seiner Amtszeit wurde 1970 der Umbau der Winterreitschule begonnen und unter seinem Nachfolger 1974 die vergrößerte Schauhalle eröffnet. Auer machte die Wagenburg zu einem Ort der Forschung und damit vorbildlich für viele andere Wagensammlungen Europas. Er war wesentlich daran beteiligt, dass in den 1960er-Jahren der Wiener Wagenbau durch die Herstellung des Persischen Krönungswagens noch einmal an die große historische Tradition dieses einst bedeutenden Wirtschaftszweigs anschließen konnte. Die Museumsbibliothek wurde unter seiner Leitung neu organisiert und ein Depot errichtet. Ein modernes Fotoatelier entstand und das museale Reproduktionswesen wurde neu geregelt. Als Erster Direktor des KHM beseitigte er die letzten Kriegsschäden innerhalb des Hauptgebäudes, modernisierte die Restaurierwerkstätten und förderte die Neueinrichtung der Sekundärgalerie im zweiten Stockwerk. Unter seiner Ägide konnten auch wichtige Neuankäufe für die Sammlungen getätigt werden. Von August 1956 bis August 1969 fungierte er zudem als Konsulent des Post- und Telegraphenmuseums. Auer verfasste über 100 wissenschaftliche Beiträge zur historischen Wagenbau-, Kostüm-, Ordens- und Siegelkunde sowie zu museologischen Fragen. Er war Mitherausgeber des „Jahrbuchs der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien“ und des „Mitteilungsblatts der Museen Österreichs“ sowie Redakteur der nach 1947 herausgegebenen Kataloge der Sammlungen und Ausstellungen des KHM. 1969 erhielt er einen Lehrauftrag für Museumskunde und Denkmalpflege an der Universität Wien. Auer war ab 1955 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Museumsbeamten und Denkmalpfleger Österreichs sowie geschäftsführender Vizepräsident des Verbands österreichischer Geschichtsvereine. Ab 1960 gehörte er dem Österreichischen Nationalkomitee des International Council of Museum an. 1962–88 leitete er als Präsident den Verein für Geschichte der Stadt Wien (1987 Ehrenmitglied). Der wirkliche Hofrat (1970) Auer war Träger zahlreicher Ehrenzeichen: Kommandeurkreuz des niederländischen Ordens von Oranien-Nassau (1962), Komturkreuz des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens (1962), Offizierskreuz des Thailändischen Ordens des weißen Elefanten (1964), Offizierskreuz des französischen Ordre des Arts et des Lettres (1967), Iranischer Homayoim-Orden IV. Rangstufe (1967), Kommandeurkreuz des Order of the British Empire (1969), Rumänischer Kultur-Verdienst-Orden III. Klasse (1970), Kommandeurkreuz des belgischen Ordre de la Couronne (1971), Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold (1972).

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