Auer, Max (Maximilian Joseph) (1880–1962), Musikschriftsteller, Musiker und Lehrer

Auer Max (Maximilian Joseph), Musikschriftsteller, Musiker und Lehrer. Geb. Vöcklabruck (Oberösterreich), 6. 5. 1880; gest. Bad Ischl (Oberösterreich), 24. 9. 1962 (Unfall); röm.-kath. Sohn des Weißgerbers und Handschuhmachers Max Auer und dessen Frau Magdalena Auer, geb. Bartsch; verheiratet mit Irma Auer, geb. Schüller. – Auer besuchte ab 1886 die Volksschule in Vöcklabruck und ab 1890 die Bürgerschule in Salzburg, wo er auch Sängerknabe (Alt-Solist) im Kapellhaus war. Anschließend absolvierte er − ebenfalls in Salzburg − die Lehrerbildungsanstalt und studierte Musik (Klavier, Violine und Orgel) bei →Joseph Friedrich Hummel. Ab 1900 war Auer als Volksschullehrer tätig, überwiegend in Vöcklabruck. Daneben studierte er weiter Musik und legte 1910/11 die Staatsprüfung in den Fächern Klavier, Gesang, Harmonielehre, Kontrapunkt und Musikgeschichte ab. 1900−28 fungierte Auer als Chormeister und Kirchenchorleiter in Vöcklabruck. Wegen zunehmender Sehschwäche wurde er im April 1920 als Lehrer pensioniert. Auers „Erweckungserlebnis“ war 1896 eine Aufführung von →Anton Bruckners Vierter Symphonie (WAB 104) unter Hummels Leitung in Salzburg: Er suchte Bruckners Verwandte in Vöcklabruck auf (Bruckners Schwester Rosalia war mit dem Gärtner Johann Nepomuk Hueber verheiratet) und begann mit dem Sammeln von biographischen Informationen. 1900 lernte er anlässlich der Enthüllung der Bruckner-Gedenktafel in Vöcklabruck Bruckners „authorisirten Biografen“ (Bruckner) →August Göllerich kennen, blieb mit diesem in Kontakt und stellte ihm seine Materialien zur Verfügung, da Göllerich an einer groß angelegten Bruckner-Biographie arbeitete, die 1921 erscheinen sollte. Parallel dazu arbeitete Auer selbst an einer Biographie des Komponisten, die er schon 1917 vollendet hatte, aus Rücksicht gegenüber Göllerich jedoch jahrelang zurückhielt. Da Göllerich durch vielfältige pädagogische, künstlerische und schriftstellerische Aufgaben gebunden war, geht ein erheblicher Anteil des ersten Bandes (1923) von dessen monumentaler Bruckner-Biographie auch schon auf die Arbeit Auers zurück. Nach Göllerichs Tod 1923 führte Auer das Vorhaben unter Verwendung des eigenen und des von Göllerich zusammengetragenen, jedoch weitgehend ungeordnet hinterlassenen Materials weiter. Hierin ging er insofern sehr korrekt vor, als er die wenigen von Göllerich noch selbst formulierten Passagen durch das Setzen in eckige Klammern kenntlich machte (August Göllerich − Max Auer, „Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild“ 2−4, 1922−37, Reprint 1974). Seine eigene, einbändige und populär gehaltene Bruckner-Biographie erschien ebenfalls 1923 („Anton Bruckner. Leben und Schaffen“, 6. Auflage 1946, weitere Ausgaben 1952 als „Anton Bruckner. Sein Leben und Werk“ sowie – gekürzt – 1982 als „Anton Bruckner. Mystiker und Musikant“). Auer erwarb sich nicht nur als Musikschriftsteller, sondern auch als Organisator Verdienste: So setzte er sich 1924 für die Rettung der großen Orgel („Bruckner-Orgel“) in der Stiftskirche (jetzt Basilika) von St. Florian ein, gründete 1925 den Bruckner-Bund sowie 1927 die Bruckner-Gesellschaft (Gründungspräsident), welche 1929 in die noch heute bestehende Internationale Bruckner-Gesellschaft überging (bis 1938 bzw. 1946−53 Präsident). 1933 wirkte er an der Gründung des Musikwissenschaftlichen Verlags mit. 1938 übersiedelte Auer mit seiner Frau nach Bad Ischl, nicht ohne vorher die in seinem Besitz befindlichen Bruckner-Dokumente dem Stift St. Florian zu übergeben. Als Höhepunkt seines Lebens empfand er die Privataudienz, die ihm Papst Pius XII. in Rom gewährte und bei der er eine Bittschrift um die Genehmigung zur Aufführung von Bruckner-Symphonien in Kirchen überreichte. Auers lebenslanger selbstloser Einsatz für das Werk Bruckners und als Mitarbeiter Göllerichs verdient großen Respekt, wenngleich er sich in seinen Ansichten nicht immer von zeitgebundenen Klischees (etwa der Betonung des „Märtyrerhaften“ im Leben des Künstlers), einer fast belletristischen Darstellung und manchmal bedenklichen deutschnationalen bzw. antisemitischen Randbemerkungen freihielt; Letztere wurden aus späteren Auflagen getilgt. Seine Werke gehören − trotz aller Vorsicht, die man bei ihrer Verwendung an den Tag legen muss − noch immer zu den wichtigen Quellen der ersten Generation nach Bruckner. Professor (1924) Auer war Ehrenbürger der Städte Bad Ischl und Vöcklabruck und Träger zahlreicher Auszeichnungen: Ehrenring der Internationalen Bruckner-Gesellschaft, Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst (der 1. Republik), Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (1959), Medaille der Stadt Paris, Medaille des Schweizer Brucknerbunds, Medaille des Niederländischen Brucknerbunds, Medaille der Österreichischen Nationalbibliothek, Ehrenmedaille der Bruckner Society of America. Die Dr. Max Auer-Straße in Vöcklabruck wurde nach ihm benannt, ebenfalls in Vöcklabruck sind Gedenktafeln angebracht (Stadtplatz 19, Jungmairgasse 13).

Weitere W.: Anton Bruckner: Gesammelte Briefe. Neue Folge, 1924; Anton Bruckner als Kirchenmusiker, 1927; Anton Bruckner. Wissenschaftliche und künstlerische Betrachtungen zu den Originalfassungen, 1937; rund 100 Aufsätze in Zeitschriften und Zeitungen; Kompositionen (Chöre, Lieder, Kammermusik).
L.: oeml; J. Unfried, in: Oberösterreichischer Kulturbericht 16, Folge 25, 1962; F. Zamazal, in: Bruckner-Freunde − Bruckner-Kenner. Bruckner-Symposion Linz 1994, S. 113ff.; F. Zamazal, in: Anton Bruckner. Ein Handbuch, ed. U. Harten, 1996, S. 65f.; Anton Bruckner-Lexikon online (Zugriff 27. 2. 2023); Österreichische Nationalbibliothek / Musiksammlung, Fonds Auer (F 31 Auer).
(Elisabeth Maier)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)