Auerswald Wilhelm, Mediziner. Geb. Wien, 11. 5. 1917; gest. Wien, 19. 10. 1981; röm.-kath. Sohn von Maria Anna Auerswald, geb. Burlini (geb. Feldkirchen, Kärnten, 20. 7. 1878), und dem Lehrer Gottlob Eduard Auerswald (geb. Lemberg, Galizien / L'viv, Ukraine, 23. 6. 1866; gest. Wien, 9. 1. 1956). – Nach der Matura am Schottengymnasium 1935 studierte Auerswald Medizin an der Universität Wien; 1940 Dr. med. Anschließend versah er seinen Kriegsdienst als Militärarzt (zuletzt Oberarzt der Reserve). 1944 erhielt er eine Assistentenstelle am Physiologischen Institut in Wien, übernahm dort 1945 die provisorische Leitung und errichtete auf dem Institutsareal einen Notverbandsplatz. Dadurch gelang es ihm, das Institut in den unmittelbaren Nachkriegswirren vor Zerstörungen und Plünderungen zu schützen. 1950 habilitierte sich Auerswald für Physiologie. Drei Jahre später gründete er gemeinsam mit den Chemikern Johann Eibl und Otto Schwarz das erste Österreichische Institut für Hämoderivate als Grundstein für die spätere Immuno AG. 1955 Oberarzt und ständiger Assistent des Physikalischen Instituts, wurde Auerswald 1958 zum ao. sowie 1968 zum o. Universitätsprofessor ernannt und übernahm im selben Jahr auch die Institutsleitung. Später erwirkte er die Umbenennung in Institut für Medizinische Physiologie. In die 1950er- und 1960er-Jahre fielen zudem Forschungsaufenthalte in und Reisen nach Schweden, Nord- und Südamerika. 1979–81 fungierte er als Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Auerswald befasste sich mit der Physiologie und Pathologie der Bluteiweißkörper, mit Gefäßerkrankungen wie Thrombose und Arteriosklerose, mit ernährungstechnischen Fragen rund um Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, mit Erscheinungen bei Mangelernährung, aber auch mit Luftfahrt- und Arbeitsphysiologie. Besonders verdient machte er sich um die Entwicklung und Herstellung von Blutderivaten bei der Immuno AG sowie von Impfstoffen, v. a. bei der österreichischen Produktion des Salk-Impfstoffs gegen Kinderlähmung, und bei der ersten intravenösen Applikationsform von Immunglobulinen. Aber auch seine Forschungen zur Gerinnungsphysiologie (Fibrinolyse, Urokinase) erregten internationale Aufmerksamkeit. Insbesondere legte Auerswald Wert darauf, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in der praktischen Medizin anzuwenden, und trat vehement für das Lehren am Krankenbett ein. Für das Physiologische Institut erwarb er die erste analytische Ultrazentrifuge und wandte die Elektrophorese nach Arne Tiselius an. Standespolitisch aktiv, fungierte er als Mitglied des Obersten Sanitätsrats, des Landessanitätsrats für Niederösterreich und der Codexkommission. Darüber hinaus war er 1966–81 Bibliothekar der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Ab 1960 war er Life Member der New York Academy of Sciences, ab 1970 korrespondierendes, ab 1972 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ab 1971 geschäftsführender Vizepräsident, später Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Ernährungsforschung, ab 1974 Präsident der Österreichischen Physiologischen Gesellschaft und 1977–81 Präsident des Verbands der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs, darüber hinaus Mitbegründer der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für morphologische und funktionelle Atheroskleroseforschung sowie der Österreichischen Gesellschaft für Prostaglandinforschung, Vizepräsident der American Medical Society of Vienna, Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährungsforschung. Seit 1992 wird jährlich die beste medizinische Dissertation in Österreich mit dem Wilhelm-Auerswald-Preis ausgezeichnet.

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