Anninger Otto, bis 1888 Abeles, Großindustrieller und Kunstsammler. Geb. Wien, 20. 2. 1874; gest. Luzern (Schweiz), 5. 7. 1954 (begraben: Döblinger Friedhof, Wien); mos. Ältester Sohn des k. Rats Wilhelm Abeles (geb. Waltsch, Böhmen / Valeč, Tschechien, 16. 3. 1848; gest. Wien, 14. 3. 1918) und dessen erster Frau Charlotte Abeles, geb. Schlesinger (geb. Pressburg, Ungarn / Bratislava, Slowakei, 30. 4. 1854; gest. Wien, 27. 2. 1875), Bruder des Großindustriellen Richard Anninger (geb. Wien, 14. 2. 1875; gest. Rio de Janeiro, Brasilien, 9. 1. 1965), Verwaltungsrat der M. B. Neumann & Söhne AG, Textilindustrie- und Druckfabriksgesellschaft, Schwager von Grete Selinko, geb. Wolf (geb. Wien, 10. 2. 1892; gest. London, Vereinigtes Königreich, 1946, Suizid), der Mutter der Schriftstellerin Annemarie Selinko (geb. Wien, 1. 9. 1914; gest. København, Dänemark, 28. 7. 1986), Vater von Robert Anninger (s. u.) und Victor Anninger (geb. Baden, Niederösterreich, 10. 6. 1911; gest. 23. 2. 2004), der 1937 in das Unternehmen eintrat und im März 1938 ins Ausland floh; ab 1904 verheiratet mit Clara Anninger, geb. Wolf (geb. Wien, 20. 1. 1886; gest. Paris, Frankreich, 23. 9. 1938, Suizid), der Enkelin von →Friedrich Pollak und Tochter des Textilindustriellen Ignatz Wolf (gest. Wien, 20. 3. 1913) und seiner Frau Ida Wolf, geb. Pollak (geb. Wien, 5. 7. 1862; gest. KZ Theresienstadt, Protektorat Böhmen und Mähren / Tschechien, 16. 3. 1942). – Anningers Vater gründete gemeinsam mit Kommerzialrat Sigmund Mendel in den 1860er-Jahren die Rohbaumwoll-Großhandelsfirma W. Abeles & Co. in Wien. 1888 erfolgte die Namensänderung der Familie in Anninger. Anninger führte die Firma als Gesellschafter gemeinsam mit Mendels Schwiegersohn Gustav Arens weiter. Mitte der 1930er-Jahre zählten zu den Gesellschaftern des Unternehmens neben Anningers Söhnen Robert und Victor auch Arens’ Schwiegersöhne Felix Haas und →Fritz Unger. Zur Firma W. Abeles & Co. gehörten eine Agentur und eine Kommissionsniederlassung in Wien-Innere Stadt. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ wurde sie über die Österreichische Kontrollbank arisiert und zugunsten des Landes Österreich eingezogen, ebenso die Spinnerei und Weberei in Teesdorf-Schönau; im Mai 1938 wurden Otto und Robert Anninger als Vorstandsmitglieder aus dem Handelsregister gelöscht. Die Gestapo gab Anweisung, die Anninger und den Töchtern von Gustav Arens, Anna Unger und Lise Haas, gehörenden Anteile einzuziehen, wobei diese außerdem verpflichtet wurden, weitere im Ausland befindliche Aktien in der Höhe von 300.000 RM zu beschaffen. Die daraus resultierende Aktienmehrheit ging an die Dornbirner Textilfirma F. M. Hämmerle. Anningers Liegenschaften wurden ebenfalls 1938 eingezogen. Darunter waren die Villa Anninger in Wien-Döbling, Lannerstraße 36 (mitsamt Bildern von u. a. →Rudolf von Alt, Rafael Donner, Canaletto und →Ferdinand Waldmüller), die 1912 vom Architekten Hartwig Fischel errichtet worden war, sowie die väterliche Villa in Döbling, Billrothstraße 46. Das Ehepaar Anninger flüchtete nach Paris. 1949 erfolgte die Löschung der Firma W. Abeles & Co. mit Sitz an der Schottenbastei 4 in Wien-Innere Stadt. Anninger war Vizepräsident des Vereins der Baumwollspinner und Weber, Präsident des Kuratoriums der Bundeslehranstalt für Textilhandel, Vizepräsident der Vaterländischen Baumwollspinnerei und Weberei Dugaresa im gleichnamigen Ort in Jugoslawien, der Baumwoll-Import und Handels-A.G. in Bratislava sowie der Spinnerei und Weberei Teesdorf-Schönau in Wien. 1922 Kommerzialrat, 1932 Träger des Ritterkreuzes I. Klasse des österreichischen Verdienstordens und des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, wurde Anninger 1934 vom Bundesminister für Handel und Verkehr zum Präsidenten des Kuratoriums der Bundeslehranstalt für Textilindustrie in Wien ernannt. Sein Sohn Robert Anninger (geb. Wien, 10. 5. 1909; gest. Wien, 19. 7. 1971) trat 1935 in das Familienunternehmen W. Abeles & Co. ein. 1938 hielt die Firma Abeles & Co. als Großaktionärin 35 % an der Teesdorf AG und war gleichzeitig Hauptlieferant für Baumwolle und Großabnehmer des Baumwollgarns der Spinnerei. Robert Anninger floh mit seiner Ehefrau Kitty, geb. Fridetko (geb. Wien, 29. 3. 1912), in die USA. Das Unternehmen wurde im November 1947 im Handelsregister neu protokolliert und die Gesellschaft von der Firma F. M. Hämmerle an die ehemaligen Besitzerfamilien Unger und Anninger zurückgestellt. Unter Mitwirkung einer Investorengruppe begründete man die Aktiengesellschaft neu und baute die Teesdorfer Spinnerei wieder auf. Robert Anninger stellte einen der Aufsichtsräte. Die Firma nahm einen wirtschaftlichen Aufschwung, und Anfang der 1950er-Jahre wurde in den Maschinenpark investiert.

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