Unger Fritz (Friedrich), Industrieller und Kunstsammler. Geb. Wien, 14. 7. 1891; gest. Zürich (Schweiz), 1954; mos. Sohn des Kaufmanns Josef Unger und seiner Ehefrau Cäcilie Unger, geb. Ebstein, Schwiegersohn des Großindustriellen Gustav Arens (geb. Reichenau, Böhmen / Rychnov, Tschechien, 1867; gest. Wien, 15. 3. 1936), dem Teilhaber der Firma Wilhelm Abeles & Co., Vorstand der Danubius Textilwerke A. G. in Bratislava, Präsident der Spinnerei und Weberei Teesdorf-Schönau und Direktionsmitglied der Vaterländischen Baumwollspinnerei und Weberei in Dugaresa bei Karlovac, Schwager von Lise Haas, geb. Arens (geb. Wien, 1. 7. 1903), Ehefrau von Felix Haas (geb. Wien, 4. 1. 1893), Teilhaber der Firma Wilhelm Abeles & Co., der 1930 in das Familienunternehmen eingetreten war und nach seiner Flucht im März 1938 ab dem Sommer dieses Jahres die Leitung der Baumwollspinnerei in Dugaresa übernahm. Er kam vermutlich 1942 im Gebiet von Jugoslawien ums Leben; seine Witwe und seine zwei Töchter flüchteten in die Schweiz und emigrierten nach Kriegsende in die USA; ab 1919 verheiratet mit Anna Unger (s. u.). – Unger maturierte am Maximiliansgymnasium in der Wiener Wasagasse und studierte 1910–14 Jus an der Universität Wien (Promotion 1915). Er trat 1925 in das Unternehmen seines Schwiegervaters ein. Dieser führte gemeinsam mit →Otto Anninger die Firma W. Abeles & Co., Agentur und Kommissionshandel in Wien 1, Schottenbastei 4, mit Fabriken in Teesdorf und Dugaresa. Am 9. April 1938 wurde Unger verhaftet und blieb bis zum 11. Juni 1938 in Schutzhaft. Für seine Freilassung unter der Bedingung, Österreich sofort zu verlassen, hatte er 100.000 Schweizer Franken und 35 Prozent seiner Aktien am Teesdorf-Schönauer Unternehmen zu bezahlen. Nach seiner Verhaftung wurde das Büro an der Schottenbastei versiegelt, durch einen kommissarischen Verwalter noch im selben Monat wieder geöffnet und die Firma W. Abeles in der Folge „arisiert“. Im Mai wurde Ungers Vermögen beschlagnahmt und zugunsten des Landes Österreich eingezogen. Die Familie floh über die Schweiz nach Frankreich und im April 1939 weiter in die USA. Mitte der 1940er-Jahre begründete Unger in New York die Firma Rolianne Inc. und betrieb gemeinsam mit Robert Anninger (s. u. →Otto Anninger) Handel mit Baumwolle. Ungers Ehefrau Anna Unger, geb. Arens (geb. Wien, 7. 6. 1897; gest. Berkeley, Kalifornien, USA, 1994), war die Tochter des Großindustriellen Gustav Arens und seiner Frau Frieda Arens, geb. Mendel (geb. Hacking, Niederösterreich / Wien, 14. 8. 1874; gest. Wien, 12. 12. 1929), der Tochter des Mitbegründers der Firma W. Abeles Sigmund Mendel (geb. 1848; gest. Wien, 10. 2. 1907). Anna Unger studierte 1919–24 an der Wiener Juridischen Fakultät und wurde 1924 zum Dr. iur. promoviert. Sie erbte gemeinsam mit ihrer Schwester Lise Haas die Sammlung italienischer und niederländischer Altmeister ihres Vaters. Die väterliche Villa in Wien-Döbling, Himmelstraße 26, wurde „arisiert“; sie diente nach 1945 →Karl Renner und Theodor Körner als Amtsvilla. Das Inventar samt Gemälden wurde beschlagnahmt; Letztere sollten in das von →Adolf Hitler geplante Kunstmuseum in Linz eingehen. Sie wurden in das Zentraldepot des Kunsthistorischen Museums in der Neuen Burg gebracht und mehrheitlich nach Kriegsende an die Familie restituiert. Die Fritz Unger und Felix Haas zu gleichen Anteilen gehörenden Liegenschaften in Wien-Wieden, Goldeggasse 1–3, sowie Wien-Döbling, Himmelstraße 57, mit Park und Weingärten, wurden ebenfalls eingezogen. Die in Paris zurückgehaltenen fünf Speditionscollis mit Anna Ungers Gemälden beschlagnahmte die deutsche Besatzung Anfang 1942 im Zollspeicher der Pariser Handelskammer und verbrachte sie nach dem Osten. Die Mehrzahl der Gemälde wurde nach dem Krieg unter den Beständen des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg aufgefunden und restituiert. Zwei Gemälde aus der Sammlung von Anna Unger (Pieter Claesz, Vanité aux instruments de musique, avec les cinq sens, 1623; Francesco Trevisani, La famille de Darius aux pieds d''Alexandre, um 1737) befinden sich heute im Louvre in Paris. 1946 beantragte Anna Unger die Rückgabe, 2009 wurden die Nachkommen für das Gemälde von Claesz entschädigt. 2016 fand man das Bild „Madonna col Bambino, San Giovannino e due angeli“, 1480–85, von Jacopo del Sellaio bei der Schenkung der Sammlung Francesco Federico Cerruti an das Museum im Castello di Rivoli in Turin in diesem Bestand, die Nachkommen wurden entschädigt und das Bild mit Hinweis auf dessen Provenienzgeschichte ausgestellt. Zahlreiche Gemälde aus der Sammlung Unger gelten nach wie vor als verschollen.

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